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come little leaves

“Come, little leaves,”
Said the wind one day.
“Come to the meadows
With me and play;
Put on your dresses of red and gold,
For summer is past
And the days grow cold.”
~George Cooper (1838-1927), Amerikanischer Poet

“Warum haben Sie die Mädchen entführt, Gregory?” Der DI, Hank Longford, musterte Gregory eindringlich, während dieser sich vor und zurück wiegte und leise lachte. “Wo sind die Mädchen?!”
“Sag ich nicht! Sag ich nicht!” Gregory lachte irre und kleine Tränen lösten sich dabei aus seinen Augenwinkeln, seine Lippen zogen sich über das Zahnfleisch und entblößten seine gelben Zähne. “Das sag ich nicht! Sag ich nicht! Hahaha!”
Als Hank auf den Tisch schlug, erschreckte sich der Gefesselte nicht einmal. Sein Kichern wurde höchstens etwas eindringlicher.
“Wo sind die Mädchen?” Der Stimme des DI war die Verzweiflung keineswegs anzuhören, aber er wusste, dass die Mädchen jetzt schon 10 Tage von zu Hause weg waren, vor drei Tagen hatte die Polizei ihren Entführer geschnappt, aber noch immer hatten sie keine Spur von den vermissten Kindern. Die Kleinen könnten längst verhungert sein, wenn sie nicht schon tot waren. “Wo sind die Kinder??”
Gregory brach in erneutes Gelächter aus und Hank widerstand dem Drang, seinem gegenüber in die faulige Visage zu schlagen.
“Ich sag’ Ihnen gar nichts, Detective Inspektor! Die Kleinen sind so liebe Spielgefährten!” Der Blick aus den wässrigen blauem Augen war unheimlich, und jagte Hank eine Gänsehaut über den Rücken. “Sie wollen sie mir weg nehmen! Meine Spielzeuge!” Dann sah er wieder auf die glatte Oberfläche des Tischs, die monotonen Bewegungen erfassten wieder seinen hageren, dreckigen Körper.
Hank Langford blieb eine Weile noch sitzen, dann stand er auf und begann, im Raum auf und ab zu laufen. Während er grübelte und grübelte, wie er Gregory zum Reden bringen könnte, begann dieser zu Murmeln.
“Kommt, kleine– zu den Wiesen– und spielt — eure roten und goldenen Kleider.” Er lachte leise. “Sommer ist vergangen — Tage werden kalt.” Wieder begann er, haltlos zu Kichern.
“Gregory”, begann Hank noch einmal, und augenblicklich verstummte der Gefangene und sah mit riesigen, geschwollenen Augen auf. Wie ein Fisch, dachte Hank entsetzt und schüttelte den Kopf, um auf andere Gedanken zu kommen. “Wo sind die Mädchen?”
Gregory schüttelte den Kopf und grinste.
“Sie werden nicht mehr lange leben, wenn sie weiterhin alleine bleiben!”, versuchte es Hank auf eine andere Weise, doch auch die fruchtete nicht.
“Kalt, starr, klein.” Gregory lachte, und warf sich dabei so wild umher, dass er sich auf die Zunge biss und die Spitze blutend aus seinem Mund flog. Sie landete direkt vor Hanks Füßen, der sie angeekelt kurz ansah und sich beinahe daneben übergab. Gregory jedoch saugte das Blut, das stetig aus der Wunde lief, aus und lutschte an seiner eigenen Zunge, als wäre er ein Baby, das an einem Daumen lutscht.
Hank drehte ihm abrupt den Rücken zu und stürmte aus dem Raum.
“Bringt ihn zurück in die Zelle”, krächzte er dem Aufseher im weißen Kittel zu und taumelte Richtung Toiletten.
“Was ist mit den Kindern?”, rief ihm ein anderer Polizist nach und Hank blieb stehen, abgestützt an der Wand. Seine Hände waren schweißnass und er konnte spüren, wie kleine, wässrige Perlen seinen Nacken hinunter liefen.
Dabei sah er sowas doch nicht das erste Mal. Leichen waren sein sprichwörtliches täglich Brot. Und eine Zungenspitze brachte ihm so dermaßen aus dem Konzept.
Als er sich umdrehte, wurde Gregory gerade aus dem Verhörraum geführt, flankiert von drei Aufsehern, doch er suchte sofort Hanks Blick.
“Ihr werdet sie nicht finden!”, rief er hysterisch und blutige Speichelfäden verteilten sich auf den weißen Wänden. “Ihr werdet sie nie finden! Nie!”
Und während er in seine Zelle geführt wurde, murmelte er die ganze Zeit über dieses alberne Kinderlied, einen Reim, der Hank Jahre später wieder in den Ohren hing, als sie fünf kleine, übel zugerichtete Mädchenleichen aus dem Garten von Gregorys Exfrau ausgruben.

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