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Fanfiction, Prosa und Projekte – made by Carnifex.

(GRIMM) 2: Die 12 Jäger

Da erblickte er den Ring, den er seiner ersten Braut gegeben, und als er ihr in das Gesicht sah, erkannte er sie.

“Ein Buch, ein Ring und eine Murmel.” Nik musterte die Gegenstände, die neben ihm auf dem Tisch lagen, während er mit seiner Gabel in den Nudeln herum rührte. “Was für ein wahnsinniges Erbe.”

Tatsächlich hatte etwa fünf Minuten, nachdem Alyssa und Niklaus nach Hause gekommen waren, das Telefon geklingelt und Dominik hatte angerufen und ihm erklärt, dass das tatsächlich Erbstücke seiner Eltern waren, von denen sie unbedingt wollten, das er sie erhielt.

“Deine Eltern waren doch eh seltsam.” Alyssa kannte beide noch von früher, als beide noch gelebt hatten, weil sie und Nik schon vorher Kontakt hatten. “Ich meine: Dauernd haben sie dich alleine gelassen und sind kurzfristig sonst wo hin gereist, dauernd war irgendwer der Beiden im Krankenhaus mit was weiß ich für seltsamen Verletzungen.”

Nik musste seiner Freundin Recht geben. Seine Eltern waren tatsächlich etwas seltsam gewesen. Aber warum sollten Sie ihm als einziges Erbe nach ihrem unerwarteten Tod ein Märchenbuch, einen Ring und eine Murmel hinterlassen?

Märchenbücher hatte er mehr als genug, zumal eines mit leeren Seiten, bei denen die Hälfte der tatsächlich sogar wichtigsten Märchen fehlte, nicht sonderlich sinnvoll oder nutzbringend war.

Er war auch kein wirklicher Ringträger. Und er trug auch allgemein wenig Schmuck. Er hatte ein paar Festival Bänder am Handgelenk, das wars auch schon.

Und eine Murmel? Als kleines Kind hatte er mal Murmeln gesammelt, doch auch das war Ewigkeiten her!

“Hast du gesehen, dass in die Sachen was eingraviert ist?”, merkte Raphael an, während er sich noch etwas Auflauf auf den Teller schaufelte.

Nik nahm den Ring in die Hand und entdeckte tatsächlich eine kleine Gravur in der Innenseite.

GRM067

Das sagte ihm nichts, also nahm er die Murmel. Auch die hatte eine winzige Gravur, die Nik eher spürte als sie zu sehen.

GRM015

“Hä?”, entfuhr es ihm, dann kontrollierte er das Buch. Das hatte keinen seltsamen Code, nur die Initialen L.E.G.

“Sagt dir das was?”

“Gar nichts.” Er zuckte mit den Schultern. “Außer L.E.G vielleicht. Einer meiner Vorfahren hatte die Initialen, auch ein Grimm, aber ich weiß nicht mehr, welcher.”

“Also wahrscheinlich seltsame Familienerbstücke und gar nichts speziell von deinen Eltern?”, mutmaßte Alyssa.

“Wahrscheinlich.”

“Du hast eine komische Familie.”

“Das weiß ich auch.” Nik war fertig mit Essen und räumte seinen Teller in die Spülmaschine. “Ich gehe Hausaufgaben machen.” Bevor er nach oben ging, nahm er die Sachen die auf dem Tisch lagen, dann stapfte er die Treppe hoch.

GRM. Was waren das für Abkürzungen?

Nik stieß seine Zimmertür auf, legte die Sachen auf seinen Tisch und ließ die Tür wieder hinter sich zu fallen, während er sich auf sein Bett schmiss.

Sein Zimmer teilte er sich mit Alexander, die beiden Betten standen an gegenüber liegenden Wänden, damit beide Schreibtische unter das einzige Fenster gegenüber der Tür passten. Trotzdem konnte man klar sehen, wem welche Hälfte des Zimmers gehörte. Auf Alexanders Boden lag Wäsche, Süßigkeitenkram und leere Flaschen, die sich sogar bis in Niks Bereich wagten, bei ihm hingegen fand man eher Bücher, Bücher und noch mehr Bücher. Ab und zu hatten ein paar dieser Bücher auch was mit Schule zu tun.

Niks Gedanken waren allerdings ausnahmsweise mal bei keinem seiner Bücher.

“Das ist doch kompletter Schwachsinn.” Mit trüben Blick sah er zu seinem Schreibtisch und damit zu den Gegenständen, die er darauf abgelegt hatte. Was sollte er damit nur tun? Das waren mit Abstand die nutzlosesten Familienerbstücke, die er sich vorstellen konnte.

“Vielleicht kann man den Ring ja verkaufen.”, überlegte Nik halb laut und schwang sich aus dem Bett.

Er ging zum Schreibtisch rüber und setzte sich an seinen Stuhl, dann nahm er den Ring in die Hand und begutachtete ihn erneut.

Der rote Stein, die seltsame Gravur, das ringförmige Metall. Nichts, was ihm nicht vorher auch schon aufgefallen war. Einem spontanen Entschluss folgend steckte er den Ring an den Finger.

Er war viel zu breit, doch während Nik noch darüber nachdachte, schrumpfte der Ring! Kaum zwei Sekunden später saß er fest an Niklaus Ringfinger und ließ sich nicht mehr bewegen.

“Ehm–” Leichte Panik mischte sich in seine Stimme, als er vergeblich versuchte, den Ring wieder abzuziehen. Er war sich nicht sicher, ob er sich das gerade nur eingebildet hatte.

Der Ring war bestimmt nicht wirklich geschrumpft. Nur eine optische Täuschung oder so, Einbildung.

Falsch~

Überrascht sah Nik sich um. Hatte da jemand gesprochen?

Ja, hat es~

Wieder erklang die leichte Singsang Stimme und Nik sah sich irritiert im Zimmer um.

Hier unten, du Blindfisch! Hi-hier! An deinem Finger! Wie blind kann man eigentlich sein?

Der Junge hob die Hand und betrachtete den Ring.

Na bitte! Hast es ja doch noch geschafft!

Nik hatte das Gefühl, dass der rote Stein, den er anstarrte, zurück starrte.

“Hast du gerade gesprochen?”, fragte er leise, nur um im selben Moment zu denken, wie albern der Gedanke doch war.

Jap, habe ich. Das ist gar kein so dummer Gedanke, auch wenn er für dich vielleicht etwas verwirrend sein könnte

“Tatsächlich…” Niklaus blinzelte verwirrt. “Hab ich Halluzinationen oder sprichst du wirklich? Denn eigentlich sprechen Ringe nicht.”

Eigentlich ist in der Welt auch alles Friede, Freude, Eierkuchen und wir haben uns alle lieb.Die Stimme troff nur so vor Sarkasmus, und Nik fiel keine Antwort darauf ein. Es kam ihm ohnehin viel zu seltsam vor, mit einem Ring zu sprechen.

Gegenstände konnten nicht sprechen, aber der Ring hatte Recht. Es kam nicht selten vor, dass seltsame Sachen geschahen, die man gar nicht erwartet hatte.

“Warum sprichst du?”, fragte er nach einer ganzen Weile, in der sie beide geschwiegen hatten.

Jetzt fängst du an, die richtigen Fragen zu stellen! Er wartete etwas, bevor er weiter sprach. Wenn du willst, zeige ich dir die Wahrheit.

“Die Wahrheit?”

Über diese Welt, deine Familie, über dich!

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