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Kapitel IV

Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.

~Arthur Schoppenhauer~

Allgemeine Zeitung

Die Familie Duchan ist am zerreißen

Vier Wochen ist es nun her, dass Monsieur Olliver Duchan ermordet wurde. Nun kämpft sein Sohn Eliott Pierre Duchan (14) ebenfalls mit dem Leben. Vor drei Wochen ist er nach einem Streit mit seiner Schwester Nanine Anina Duchan (17) Aufgrund eines heftigen Asthmaanfalls zusammen gebrochen. Seitdem liegt er in einem sehr tiefen Koma. Eliott ist seit seiner Geburt Asthmatiker und hatte vor dem Anfall vor drei Wochen keinen Anfall mehr gehabt, weswegen alle Anwesenden mit der Situation ziemlich überfordert waren. Laura Meiner, eine Schulkameradin von Eliott, hat zwar sofort den Krankenwagen gerufen, trotzdem ist die Hoffnung auf ein Aufwachen kaum mehr vorhanden.

Der Mann in einem langen, dunklen Trenchcoat klappte die Zeitung lächelnd zu.

“Du schaffst das, Eliott. Ich glaube an dich!”, murmelte er. Ein Zischen, dann war er in einer kleinen Rauchwolke verschwunden. Die Zeitung glitt langsam zu Boden und blieb aufgeschlagen auf dem regennassen Boden liegen.

“Wie geht es ihm?”, fragte Lady Duchan Dr. Raiken, den zuständigen Arzt für Station drei. Station drei war die Sonderstation. Der Doktor schüttelte betrübt den Kopf.

“Unverändert.”, meinte er und führte sie in Eliotts Zimmer. Eliott lag genauso da, wie die letzten drei Wochen auch schon. Nanine lachte trocken, was hatte sie auch anderes erwartet. Eliott trug eine Atemmaske und an seinem Arm war ein Tropf befestigt. Lady Duchan strich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn.

“Sie glauben nicht, dass er aufwacht, oder? Sagen Sie mir die Wahrheit, Doktor.” Dr. Raiken zögerte, dann nickte er.

“Der Sauerstoffmangel hielt einfach zu lange an. Teile seines Gehirns wurden überhaupt nicht mehr versorgt. Selbst wenn er aufwachen sollte, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er immer noch der Selbe wie vorher ist, sehr gering. Höchstwahrscheinlich würden durch den Sauerstoffmangel Behinderungen auftreten. Es gab ein paar Anzeichen auf Besserung, erst heute Morgen sah es so aus, als würde er aufwachen, aber wie gesagt, er liegt in einem sehr tiefen Koma. Es tut mir leid das sagen zu müssen, Lady Duchan”, der Arzt machte eine Pause, “aber die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder aufwacht ist sehr gering.” Lady Duchan brach augenblicklich in Tränen aus und Nanine drückte sich an sie. Auch sie weinte. Insgeheim gab sie sich die Schuld an seinem Anfall, auch wenn Dr. Raiken ihr versichert hatte, dass es nicht ihre Schuld war. Dr. Raiken führte ihre Mutter für die üblichen Gespräche in sein Büro, während Nanine bei ihrem Bruder blieb. Sie setzte sich neben seinem Bett auf den Boden und hielt seine Hand fest umklammert. Sie hatte mal gelesen, dass Komapatienten alles um sich herum mitbekamen und auch hörten, wenn man mit ihnen sprach. Also erzählte Nanine ihrem Bruder jedesmal, was so passiert war in der Schule, zu Hause oder beim Einkaufen. Sie erzählte ihm, wie besorgt Laura war und dass sie jeden Tag zu ihnen nach Hause kam. Besuchen durfte sie ihn ja nicht, da sie kein Familienmitglied war.

“Es tut mir leid, El. Dass ich dich immer so schikaniert habe. Und dass du jetzt hier liegst ist auch meine Schuld.” Sie schluchzte auf und vergrub ihr Gesicht in seiner Matratze. “Ich bin so eine miese Schwester. Wegen mir liegst du jetzt im Krankenhaus. Das wollte ich nicht. Das wollte ich wirklich nicht!” Man hörte nichts, außer Nanines Schluchzen und das leise Piepen und Summen der Überwachungsgeräte. Nanine hoffte jedes Mal vergeblich, ihr Bruder würde aufwachen und ihr verzeihen. Sie hatte Angst, dass er wirklich nie wieder aufwachen würde. Dass sie ihn nie wieder lachen hören würde, er ihr nie wieder einen Vortrag halten würde, die gemeinsamen Abendessen. Seit er im Krankenhaus war, lief zu Hause alles drunter und drüber. Ihre Mutter sprach nur selten mit ihr, Charles verbrachte so viel Zeit wie möglich im Krankenhaus. Es dauerte, bis Nanine endlich aufhören konnte, zu weinen. Als sie aufstand und sich umdrehte, griff plötzlich jemand nach ihrer Hand. Sie wirbelte herum. Eliott sah sie aus matten Augen an und lächelte schwach.

“Bleib doch noch!”, bat er heiser und Nanine fiel ihm schluchzend um den Hals. “Au, au. Nicht so doll!”, stöhnte ihr Bruder und machte Anstalten sie weg zu schieben. Nanine rückte ein Stück weg und wischte sich die Tränen vom Gesicht.

“Du bist wach!”, sagte sie erleichtert. “Es tut mir so leid, El. Das ist alles mein Schuld! Ich-” Eliott runzelte die Stirn.

“Wieso sollte es deine Schuld sein?”, unterbrach er sie.

“Weil es meine Schuld ist, du Idiot.”, erwiderte sie verwirrt, doch Eliott schüttelte abwehrend den Kopf.

“Gib dir nicht die Schuld für etwas, was du nicht zu verantworten hast.”, sagte er leise.

“Das meine ich aber auch.” Dr. Raiken stand am Fußende des Bettes und lächelte sie warm an, Lady Duchan neben ihm. “Hallo Eliott. Willkommen zurück. Wir hatten die Hoffnung ehrlich gesagt schon aufgegeben.” Eliott grinste.

“Solange sie ehrlich waren, ist doch alles gut, oder?” Der Doktor lachte.

“Ich denke schon. Nanine, würdest du wohl ein Stück zur Seite gehen, damit ich zu Eliott kann?” Er half Eliott, sich aufzusetzen und überprüfte seinen Puls. Dr. Raiken stellte das Kopfende des Bettes hoch, so dass Eliott sich dagegen lehnen konnte und nahm ihm die Atemmaske ab, dann ließ er Lady Duchan zu ihm.

“Mein Junge!”, sagte sie erleichtert und drückte ihn vorsichtig an sich. “Wann darf er wieder nach Hause?”, fragte sie den Arzt. Er wog den Kopf hin und her. Schließlich sagte er:

“Wir behalten ihn auf jeden Fall noch ein Woche zur Überwachung hier. Wenn alles gut geht, und Eliott mir verspricht, in Zukunft immer sein Spray dabei zu haben, kann er dann wieder nach Hause.” Der Doktor musterte Eliott streng. “Eliott ist wirklich eine sehr starke Natur. Sie können verdammt stolz auf ihren Sohn sein, Madame!” Eliott unterdrückte ein Gähnen. “Aber jetzt sollte er vielleicht schlafen!”, meinte der Doktor noch und verließ dann das Zimmer. 

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