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Kapitel V

Wer zur Quelle gelangen will, muss gegen den Strom schwimmen.

~Hermann Hesse~

Es war dunkel und ruhig im gesamten Krankenhaus. Plötzlich ein Blitz und ein junger Mann im Trenchcoat mit langen schwarzen zu einem Zopf gebundenen Haaren stand in Eliotts Krankenzimmer. Er musterte den Jungen nachdenklich. Eliott schlief unruhig und nur deshalb hatte der Mann ihn finden können. Die Träume von Zauberern waren etwas sehr Machtvolles und die Spezialität dieses Mannes waren eben Albträume. Draußen schlugen die Äste der Eiche gegen das Fenster und schienen ihm etwas sagen zu wollen. Der Mann wusste es. Er durfte hier nicht sein. Er durfte sich in die Geschichte dieses Jungen nicht noch einmal einmischen, erst recht durfte er nicht hier sein, aber er wollte ihn auch nicht einfach so seinem Schicksal überlassen. Schnell malte er einige Zeichen in die Luft. In goldenen Strichen schwebten sie über dem Bett und schwirrten um Eliott herum, bevor sie schließlich in ihm verschwanden. Eliott entspannte sich und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Der Mann sah sich um. Der Schrank in der Ecke, die Überwachungsgeräte neben dem Bett, der Stuhl am Fenster und daneben ein Tisch, vollgestellt mit Büchern, Spielen und Süßkram. Leise ließ er sich auf dem Stuhl nieder und beobachtete den Regen.

“Es ist kein schönes Wetter!”, brummte er leise und sein warmer Atem ließ die Scheibe beschlagen. Draußen stürmte es und Blitze zuckten am Himmel. Ein Rascheln ließ ihn plötzlich herum fahren. Eliott starrte ihn finster an. Der Mann schloss leise stöhnend die Augen. Das konnte jetzt kompliziert werden.

“Wer sind Sie?”, fragte Eliott kalt und musterte den Mann misstrauisch. “Was machen Sie hier?” Der Mann stand auf und zog etwas aus der Innentasche seines Mantels.

“Ich wollte dir eigentlich nur kurz was vorbei bringen. Habe etwas rum getrödelt dabei.” Er legte Eliott das Buch aufs Kissen. “Das war auch alles!” Dann berührte er mit seinem Zeigefinger vorsichtig Eliotts Stirn und murmelte etwas. Augenblicklich schlossen die Augen des Jungen sich und er sank zurück in die Kissen, und der Mann verschwand wieder in einer kleinen Rauchwolke. 

Als Eliott am nächsten Morgen aufwachte, war er sich sicher, dass alles nur ein Traum gewesen war. Doch das Buch neben ihm bewies das Gegenteil. Wer war der Mann gewesen? Eliott würde nachher dem Doktor Bescheid sagen. Jetzt interessierte es ihn aber vielmehr, was das für ein Buch war. Er hob es hoch und betrachtete es von allen Seiten. Es war das dickste Buch, das Eliott je in den Händen gehalten hatte. Der lederne Einband war dunkelblau und auf den Buchdeckel standen goldene Buchstaben, die Eliott nicht verstand. Vorsichtig schlug er das Buch auf. Die Buchstaben ergaben keinen Sinn, sie schienen wahllos auf der Seite verteilt worden zu sein. Er blätterte um. Doch auch auf den nächsten Seiten war kein Muster zu erkennen. Die Bilder konnte er nicht richtig erkennen. Sie veränderten sich die ganze Zeit und schienen unscharf. Grimmig klappte er das Buch wieder zu. Er würde schon noch drauf kommen. Er schwang die Beine aus dem Bett. Auf dem Tisch neben den ganzen anderen Sachen stand eine Schale Joghurt, doch das interessierte Eliott herzlich wenig. Er ging zum Fenster und sah hinaus. Draußen war es noch halb dunkel, eine Leuchtuhr an der Apotheke zeigte ihm, dass es erst fünf Uhr war. Kurz glaubte er den Mann von gestern Abend zu sehen, doch als er blinzelte, war die Straße wieder leer. Seltsam, dachte er und drehte sich vom Fenster weg. Er sah sich im Zimmer um und sein Blick fiel auf die Bücher und Spiele auf dem Tisch. Seine Mutter musste sie ihm vorbei gebracht haben, als er schon geschlafen hatte. Er nahm sich seinen Nintendo, dankbar für eine Ablenkung, schob die “Harry Potter und der Feuerkelch” Karte rein und setzte sich aufs Bett. Er hatte kaum mitbekommen, wie die Zeit vergangen war, aber plötzlich kam Dr. Raiken mit einem Tablett auf dem Arm hinein.

“Guten Morgen, Eliott!”, sagte er überrascht und stellte das Tablett auf dem Bett ab.

“Was spielst du?” Eliott reichte ihm das Nintendo. Er war mitten in einer Aufgabe und kam nicht weiter.

“Ah! Das spielen meine Söhne auch. Du musst den Fußstapfen da folgen, siehst du? Da liegt das Mädchen. Jetzt schickst du das Leuchtfeuer ab und gehst weiter. Genau!” Dr. Raiken stand wieder auf, das Bett knarzte dabei etwas. “Jetzt iss erstmal.” Im Hinausgehen sagte er noch: “Und speichern nicht vergessen!” Er zwinkerte ihm zu und ging.

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