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Kapitel VI

Auf der Welt gibt es nichts, was sich nicht verändert, nichts bleibt ewig so, wie es einst war.

~Zhuangzin~

Dr. Raiken blätterte im Ordner herum und schlug ihn schließlich zufrieden zu.

“Du hast alles, Eliott?”, fragte er an den Jungen gewandt, der für ein letztes Durchchecken in seinem Büro auf einer Liege saß und ungeduldig mit den Füßen wippte. “Bücher? Spiel? Block? Spray?!” Eliott nickte. “Dann zieh mal dein Hemd aus!”, bat Dr. Raiken und griff zu seinem Stethoskop. Die Woche war um und Eliott durfte das Krankenhaus wieder verlassen. Dr. Raiken versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie besorgt ihn diese Tatsache machte. Hier hatte er den Jungen unter Beobachtung gehabt. Er beruhigte sich mit dem Gedanken, dass andere jetzt auf ihn aufpassen würden. Eliott hatte ihn auf den seltsamen Mann angesprochen, doch Dr. Raiken hatte ihn beruhigen können. Trotzdem musste er dringend mit Leonardo reden. Er wusste, warum er den Jungen aufgesucht hatte, aber es gab Vorschriften, die selbst Leonardo einhalten musste. Auch wenn dieses Verhalten äußerst seltsam für ihn war!

“Was ist das?”, fragte Dr. Raiken, während Eliott sich wieder das Hemd überzog, und deutete auf das Buch, das auf dessen Schoß lag.

“Ach das…” Eliott sah das Buch mit einem seltsamen Blick an. “Nur ein Buch.”, sagte er dann schnell, etwas zu schnell, wie Dr. Raiken fand und er fragte sich, ob der Junge schon hinter das Geheimnis dieses Buches gekommen war. Eliott klemmte sich das Buch unter den Arm und sprang von der Liege.

“Dann Tschau, Dr. Raiken.”, sagte er und trat aus der Tür.

“Ähm, Eliott.” Der Junge drehte sich noch einmal um. “Pass auf dich auf!” Eliott verdrehte genervt die Augen, nickte aber. Dann fiel die Tür hinter ihm zu.

“Es war so langweilig!”, erklärte Eliott und zog das O extra lang. Seine Mutter lachte.

“Das kann ich mir gut vorstellen!”, meinte sie dann und winkte Charles, der am Auto stand und lächelnd die Tür aufzog.

“Hey, Charles, begrüßte Eliott ihn.

“Schön sie zu sehen, Monsieur!”, sagte der Butler lächelnd und half Lady Duchan in das Auto zu steigen, Eliott rutschte neben sie.

“Was hältst du davon, wenn wir Nanine gleich von der Schule abholen?”, fragte seine Mutter, als sie auf der Rückbank der Limousine saßen. Eliott nickte.

“Ist gut.” Er wandte sich an den Butler.

“Charles, hast du den Führerschein jetzt eigentlich gemacht?”, fragte er neugierig. Charles schüttelte stumm den Kopf. Eliott unterdrückte ein fluchen.

“Hm. Wie viel Zeit haben wir noch, bevor wir Nanine abholen?”, fragte er und sah auf seine Uhr.

“Vier Stunden. Wieso?”, fragte seine Mutter, doch Eliott antwortete nicht sondern lehnte sich nach vorne zu Charles und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Charles Mundwinkel zuckte kurz amüsiert, bevor er nickte und die Limousine wendete. Seine Mutter sah Eliott fragend an, doch er sah nur grinsend aus dem Fenster. Seine Mutter wusste nicht, was er vor hatte, aber sie konnte es sich denken als Charles die Limousine kurze Zeit später auf den Hof der Fahrschule fuhr. Eliott sprang aus dem Wagen.

“So, Charles. Wir haben zwei-einhalb Stunden! Sieh zu, dass du deinen Job gut machst!” Er zog Charles in die Schule, es sah seltsam aus, wie der eher kleine Junge den großen, klobigen Mann an der Hand gepackt hatte und hinter sich her zog, und Lady Duchan folgte ihnen neugierig. Eliott ging zum Mann am Empfang und Charles stellte sich hinter ihn.

“Charles möchte jetzt bitte einen Motorrad Führerschein machen!”, sagte Eliott grußlos und ernst, und der Mann am Empfang zog eine Augenbraue hoch. Dann sagte er:

“Ich glaube kaum, dass du das bestimmen kannst. Und außerdem dauert es eine Weile einen Führerschein zu machen.” Eliott zog grinsend seinen Personalausweis aus der Tasche und schob ihn dem Mann rüber.

“Ich glaube schon, dass ich das bestimmen kann. Und Charles lernt wirklich sehr schnell.”, meinte er mit einem sanften Tonfall und lächelte, während er den Mann mit seinem Blick durchbohrte. Der schluckte hart und schob ihnen, nach einigem Suchen, ein Formular zu.

“Füllen Sie das hier bitte vorher aus”, sagte er heiser und mit zitternder Stimme. Eliott griff immer noch lächelnd nach dem Kugelschreiber, der in einem Halter auf dem Tresen stand und beantwortete die Fragen. Charles Reysin. 13.09.1982. 1,79 cm. Blond. Charles setzte seine Unterschrift unter das Blatt, dann reichte er dem Mann, der gerade leise telefonierte, das Blatt.

“Sie können gleich anfangen.”, murmelte dieser und deutete auf die Tür zum Hinterhof. 

Eliott begleitete Charles zur Tür.

“Bestechung hätte ich Ihnen niemals zugetraut, junger Herr!”, sagte Charles verblüfft. Eliott grinste.

“Das war eine Notfall Maßnahme! Viel Glück!” Er schickte Charles alleine weiter und setzte sich zu seiner Mutter im Empfang. Grinsend dachte er an das Gesicht des Mannes, als dieser den Personalausweis gesehen hatte.  

Name: Duchan 

Vorname: Eliott Pierre

Geburtstag: 17.07.2001 

Staatsangehörigkeit: Deutsch, Französisch 

Geburtsort: Paris

Gültig bis: 16.11.2021

Unterschrift: E.P. Duchan

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