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Kapitel VIII

Alles Reden ist sinnlos, wenn das Vertrauen fehlt.

~Franz Kafka~

Als Eliott seine Augen öffnete, wusste er nicht wo er war. Sein Kopf brummte, sein Ohr war taub.Er versuchte sich aufzusetzen, sank aber wieder zurück. Sein Blick fiel auf den Mann, der neben dem Bett saß und den Jungen aufmerksam betrachtete. Ein junger Mann mit langen schwarzen zu einem lockeren Zopf gebundenen Haaren in einem grauen Pullover und einer schwarzen Jeans. Als Eliott ihn das letzte mal gesehen hatte, hatte er noch einen Trenchcoat getragen. Erschrocken versuchte er erneut sich aufzurichten, wurde von dem Mann jedoch sanft wieder zurück gedrückt.

“Bleib liegen, Eliott. Ich tue dir nichts!”, versicherte er ihm. “Die anderen schlafen noch! Es ist also besser, wir verhalten uns so leise wie nur möglich.” Während er im Zimmer umher lief, musterte Eliott ihn misstrauisch. Er kannte den Mann nicht, aber er hatte das Gefühl, dass dieser ihm Fragen beantworten konnte. Fragen, die Eliott sehr beschäftigten.

“Was war das im Wald? Die schwarze Gestalt?”, fragte er und  war sich dabei sicher, dass der Angesprochene zusammen gezuckt war.

“Du hast vier Tage geschlafen, Eliott. An was erinnerst du dich überhaupt noch?”, fragte der Mann zurück und blieb vor dem Fenster stehen. Eliott blieb ihm die Antwort schuldig. Es war dunkel draußen, kein einziger Stern stand am Himmel und der Raum wurde nur durch das fahle Mondlicht und eine Kerze beleuchtet. Der Mann seufzte.

“Das, was du im Wald gesehen hast, war die Großhexe Raza-ãk. Du bist in ihren Bannkreis geraten. Hätte Fanius dein Blut nicht gefunden, hätten wir dich nicht mehr rechtzeitig retten können!” Eliott starrte den Mann mit einem seltsamen Gesichtsausdruck an.

“Du warst der Wolf!”, stieß er schließlich aus. Der Mann nickte überrascht.

“Wie kommst du jetzt darauf?”, fragte er und Sorge klang in seiner Stimme mit. Eliott zuckte mit den Schultern und murmelte irgendwas von Ausstrahlung und so. Es wurde still. Ungemütlich still und Eliott beschloss diese Stille zu brechen.

“Wer sind Sie eigentlich?”, fragte er und musterte seinen Gegenüber. Der Mann richtete sich etwas auf.

“Ich bin Leonardo diCoro. Ich bin der fünfzehnte aus dem Geschlecht der diCoros und, Eliott, ich bin der Bruder deiner Mutter und somit dein Onkel!” Eliott blinzelte verwirrt. Es klang etwas einstudiert, was der Mann gesagt hatte und von einem Bruder seiner Mutter hatte er nie was gehört, aber er wusste, dass der Mädchenname seiner Mutter diCoro gelauten hatte. Aber konnte er diesem Mann einfach so glauben? Der Mann, Leonardo, seufzte erneut.

“Du brauchst mir nicht glauben. Fürs Erste reicht es mir, wenn du weißt, das du hier bei uns in Sicherheit bist.” Das sorgte für noch mehr Verwirrung seitens Eliott. “Du musst jetzt auch nicht alles verstehen, Eliott. Versuch noch etwas zu schlafen! Ich ziehe mich jetzt zurück!” Er drehte sich zur Tür. Kurz zögerte er, bevor er sich noch einmal umdrehte und sagte: “Schlaf gut!’ Dann verließ er das Zimmer und schloss die Tür leise hinter sich. Eliott zählte bis zehn, dann sprang er auf und lief zur Tür. Doch sein Versuch, sie zu öffnen, blieb Erfolglos. Abgeschlossen. Auch die Fenster waren nicht zu öffnen. Frustriert knurrend ließ der Junge sich mit schwirrendem Kopf wieder aufs Bett sinken. Eingesperrt, wie ein Gefangener!

Leonardo hatte Eliotts Versuch, die Tür zu öffnen, bemerkt. Er wusste, dass diese Maßnahme das Vertrauen seines Neffen nicht gerade steigern würde, aber es war eine Maßnahme, die nötig war. Auch Aufgrund des mangelndem Vertrauens. Einfach Eliotts Sicherheit wegen.

“Du bist schlecht gelaunt, Leo!”, ertönte Fanius nervige und überaus fröhliche Stimme neben ihm. Er balancierte einen dreiarmigen Kerzenständer auf dem Kopf und hüpfte auf einem Bein herum. Nicht, dass das schon genug war. Zu allem Verdruss brannten die Kerzen auch noch.

“Lösche wenigstens die Kerzen, wenn du schon solche Hampeleien machen musst! Oder willst du das Hauptquartier in Brand setzten?”, zischte Leonardo den gut einen Kopf kleineren wütend an.

“Du bist wirklich sehr schlecht gelaunt!”, meinte Fanius fröhlich und hüpfte vor Leonardo den Korridor entlang.

“Ach, geh ein Ei ausblasen, Karnickel!”, fluchte Leonardo und verschwand in seinem Zimmer.

“Aber gerne doch!”, sagte Fanius mit liebenswerter Stimme, bevor er zu einer lila Wolke wurde. Kurze Zeit später hoppelte tatsächlich ein kleines weißes Kaninchen mit einem Kerzenständer auf dem Rücken durch die Korridore.

Als Eliott erneut die Augen aufschlug war es hell im Zimmer. Er kniff die Augen zusammen, um sich langsam an die Helligkeit zu gewöhnen. Immer noch müde stand er schließlich auf. Sein Blick traf auf einen Spiegel, der an der Wand neben der Tür hing. Eliotts Ohr war weitestgehend verbunden, auf seiner Wange zog sich ein Pflaster nach dem anderen und sein Handgelenk war auch verbunden. Er trug nur ein T-Shirt, dass ihm zu groß war. Auf einem Stuhl neben dem Bett fand er aber ordentliche Klamotten. Jeans, ein weißes T-Shirt und ein schwarzes Hemd. Vor dem Bett standen Lederstiefel. Er zog sich blitzschnell um und trat dann unsicher zur Tür. Sie ging ohne Probleme auf. Erleichtert trat er auf den Gang hinaus und wäre beinahe gegen einen kleinwüchsigen Mann mit orange-braunen kurzen Haaren gerannt. Er stand mitten vor seiner Tür, eine Tüte bunter Bonbons in der Hand. Eliott sprang überrascht zurück, der Mann grinste und steckte dem Jungen ohne große Worte eine der Süßigkeiten in den Mund. Eliott sah ihn verwirrt an.

“Ich soll dich in die Mondhalle bringen, sobald du aufgewacht bist!”, meinte der Mann und schleifte Eliott praktisch hinter sich her. Er stellte sich als Fanius Break vor, aß für sein Leben gerne Süßigkeiten und redete von noch mehr unverständlichem Zeug, was Eliotts schwirrendem Kopf nicht gerade eine Wohltat war. Gerade als er Fanius sagen wollte, er solle doch bitte etwas leiser sprechen, blieb dieser vor einer großen Tür stehen und verstummte augenblicklich. Mit einem Fuß stieß Fanius die Tür auf und trat ein. Eliott folgte ihm und staunte stumm.

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