Tell me a story!

Fanfiction, Prosa und Projekte – made by Carnifex.

Kapitel XI

Die Kunst ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wurde.

~Oscar Wilde~

Mit einem lauten Schrei fuhr Eliott hoch, seine Hände krallten sich in die Bettdecke und er kniff wegen der Helligkeit und um den Schreck los zu werden die Augen zu. Er zitterte und da sein Atem viel zu schnell ging, versuchte er die Luft anzuhalten.

“Nicht, Eliott. Langsam weiter atmen.” Eliott zuckte zusammen, als jemand eine Hand auf seinen Rücken legte, konnte aber nicht nachsehen, wer es war. “Ein… Aus… Ein…”, murmelte die Stimme neben seinem Ohr und Eliott folgte ihr, die Augen immer noch zu gekniffen. Ohne das er es wirklich merkte, liefen die Tränen über seine Wangen, welche langsam in hemmungsloses Schluchzen übergingen. Er hielt die Augen immer noch geschlossen, auch als ihn jemand in die Arme zog. Er vergrub das Gesicht an Charles Schulter.

“Schht.”, flüsterte Charles leise und strich Eliott beruhigend über den Rücken. “Lasst es einfach raus, junger Herr.” Und das tat Eliott. Es einfach raus lassen, alles was sich aufgestaut hatte, alles was ihm so Angst gemacht hatte, alles was ihn verzweifeln ließ. Der Tod seiner Mutter, der Verlust seiner Schwester, die Veränderung die alles einberufen hatte. Er brauchte lange, bis er sich beruhigt hatte, während er einfach hilflos in Charles Armen lag und nicht wusste, was er tun sollte, doch schließlich schob er den Butler von sich weg und wischte sich mehrmals trotzig mit dem Ärmel übers Gesicht.

“Ich habe nicht geheult!”, sagte er und es klang wie ein Befehl.

“Ihr braucht euch dessen nicht zu schämen.”, erwiederte Charles. Eliott funkelte ihn an.

“Heulen ist ein Zeichen der Schwäche.”

“Heulen ist ein Zeichen von Menschlichkeit!”, widersprach Charles. Eliott ließ den Kopf sinken und starrte die Bettdecke an.

“Habt ihr nach ihr gesucht?”, fragte er leise. Charles seufzte nur. “Ihr habt sie nicht gefunden.”, interpretierte Eliott. Charles schwieg.

“Nein. Nur eine Fährte.”, sagte er schließlich. Eliott horchte auf.

“Fährte?”

“Sie ist ohne Zweifel in den Schatten.” Eliotts Schultern sanken hinab, und auch wenn er nicht wusste, was die ‘Schatten’ waren, hörte es sich gefährlich an und nicht gerade, wie der Ort wo er gerne Ferien machen würde.

“Wir können ihr aber noch helfen, oder?!”, fragte er verzweifelt.

“…”

“Charles?”

“Ich weiß es nicht. Aber ihr solltet trotzdem nicht aufgeben.” Eliott kniff die Augen zusammen.

“Hör auf damit!” Verwundert sah sein Gegenüber ihn an.

“Womit?”

“Mich zu Siezen. Ich bin 14, verdammt! Nur weil Dad-” Er brach ab.

“Ich lasse es, junger– Eliott.”, beeilte Charles sich und grinste schief, was in seinem breiten Gesicht seltsam, aber vertraut aussah. “Wir sollten jetzt vielleicht trotzdem los. Leonardo erwartet uns in der Mondhalle, sobald du aufgewacht bist.” Er stand auf und wandte sich der Tür zu.

“Charles.” Er drehte sich noch einmal um. “Danke.”, sagte Eliott schwach lächelnd. Charles zwinkerte und ging.

Als die Tür sich klackend schloss, ließ Eliott sich zurück ins Kissen sinken. Er sollte sich beeilen, das war ihm klar. Doch sein Kopf tat einfach furchtbar weh. So viele Informationen, zu viel Chaos. Mit einem Ruck setzte er sich auf. Er musste sich dringend bei Laura melden. Stöhnend kabelte er aus dem Bett, schleppte sich ins Bad und wusch sich das Blut von den Armen. Nicht sein Blut, sondern das seiner Mutter. Wieder liefen Tränen über seine Wangen, die er energisch und beinahe wütend weg wischte. Auf dem Tisch neben dem Waschbecken lagen eine saubere Hose und ein Hemd, die er schnell überzog, bevor er sein Zimmer leise verließ. Charles lehnte an der Wand gegenüber seiner Tür und übernahm sofort die Führung.

“Woher weißt du denn, wo wir lang müssen?”, fragte er, als Charles zielstrebig um Ecken, Treppen hoch und runter ging.

“Ich weiß mehr, als du denkst.”, erwiederte er nur geheimnissvoll. Eliott musterte ihn.

“Bist du auch ein Magier?”, fragte er schließlich. Charles drehte sich kurz zu ihm um, antwortete aber nicht. Eliott biss sich trotzig auf die Lippe und folgte dem Butler, bis sie wieder vor der wohl bekannten Mondhalle standen.

“Eliott!”, rief Leonardo, lief auf ihn zu, umarmte ihn und vergrub das Gesicht in Eliotts Haaren. “Wie geht es dir?”, fragte er schließlich, als er seinen Neffen wieder losgelassen hatte. Eliott zuckte scheinbar unberührt mit den Schultern. Viel mehr interessierte ihn der Mann hinter Leonardo. Dieser kam jetzt auf Eliott zu und reichte ihm die Hand.

“Wie schön, dich zu sehen. Ist nicht allzu lange her!”

“Was tun sie hier, Dr. Raiken?”, fragte Eliott schroffer als beabsichtigt. Der Arzt zog eine Augenbraue hoch und wirkte ob Eliotts ablehnender Art etwas verwirrt.

“Das gleiche wie die anderen Magier. Ich lerne, lehre und lebe hier. Aber hergekommen bin ich eigentlich, um zu sehen wie es dir geht und dich noch mal durch zu checken. Der Tag gestern war ja nicht so schön.”, sagte er und versuchte wahrscheinlich, Eliott ein kleines Lachen zu entlocken. Eliotts Blick verfinsterte sich schlagartig.

“Mir geht’s super!”, fauchte er und rannte direkt wieder aus dem Raum. Natürlich ging es ihm super. Seine Mutter war brutal ermordet worden, seine Schwester verschwunden und sein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Es ging ihm einfach wunderbar!


Leave a Reply