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Fanfiction, Prosa und Projekte – made by Carnifex.

Kapitel XIII

Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern.

~Aristoteles~

Während er wartete, dass Laura den Anruf entgegen nahm, tigerte Eliott zwischen den Sitzbänken, die in einem Viereck zwischen den Regalen angeordnet waren, herum. Still stehen konnte er auf keinen Fall, dazu war er viel zu nervös.

»Ja bitte?« Das war nicht Laura.

“Hey, Frau Spencer. Hier ist Eliott. Ist Laura da?”

»Laura?«, sie klang fassungslos und müde. »Sie ist nicht da! Eliott, sie ist verschwunden. Ich dachte, du wüsstest, wo sie ist!« Eliott wurde bleich und blieb stehen.

“Wie? Sie ist verschwunden?”

»Sie hat dich gesucht, nachdem du solange weg warst und ist dann nicht wieder zurück gekommen.«

“Wieso hat sie mich gesucht? Ich bin doch gar nicht mehr in Deutschland?” Eliott war verwirrt.

»Nicht? Wo bist du denn? Eliott, deine Mutter… und…«

“Ich bin in Venedig bei meinem Onkel. Und das mit Mom weiß ich bereits.”, sagte er betreten.

»Also ist Laura nicht bei dir. Hast du eine Ahnung, wo sie sein könnte?« Eliott nickte grimmig.

“Nein.”, sagte er dann aber, obwohl er sehr wohl eine Ahnung hatte. “Ich muss auflegen. Mein Onkel ruft mich.”, log er. “Ich werde Augen und Ohren offen halten. Versprochen!” Dann legte er ohne ein weiteres Wort auf. Einen Moment stand er einfach nur fassungslos da, dann lehnte er sich leise stöhnend gegen das Regal hinter sich.

“Scheiße!”, fluchte er.

“Hm?” Nathans Gesicht tauchte direkt vor Eliotts auf und er streckte die Hand nach seinem Handy aus. “Was ist los?”

“Nichts.”, winkte Eliott ab, stieß sich von dem Regal ab und ging zurück zu der Ecke, in der er eben auf Jenette gestoßen war und einen super Blick auf die verbotene Abteilung hatte. Er musste da unbedingt reinkommen, irgendwie. Koste es, was es wolle.

“Klar! Irgendetwas hast du doch!”, hackte Nathan nach. Eliott drehte sich zu ihm um.

“Hey! Danke, dass du mir dein Handy geliehen hast, aber ich will dich da wirklich nicht mit rein ziehen.” Er wandte sich wieder dem Regal zu und tat, als sei dieses plötzlich furchtbar interessant.

“Ist es gefährlich?” In Nathans Blick lag etwas unberechenbares.

“Ja, sehr.”

“Ich bin dabei!”, rief Nathan laut und als Jenette ihm ein “Leise!” zu zischte wiederholte er es noch einmal flüsternd. “Ich bin dabei!”

“Nein!”, erwiderte Eliott energisch. “Du weißt doch gar nicht, worum es geht!” Nathan zuckte nur mit den Schultern.

“Na und? Muss ich das?!”

“Wäre besser.”

“Man sollte immer wissen, worum es geht.”, ließ sich Jenette vernehmen. “Also los, Kleiner. Spucks aus!”

“Ich bin nicht klein!”, protestierte Eliott beleidigt. Jenette winkte ab.

“Erzähl schon!”

“Aber-” Jenette bedachte ihn mit eine bösen Blick.

“Mach einfach!” Eliott schluckte, fing aber an zu erzählen. Als er geendet hatte, nickten beide bedächtig.

“Du musst also in die verbotene Abteilung.”, hackte Nathan nach. Eliott nickte abwesend. “Und willst dich dort informieren, wie du in die Schattenwelt kommst. Weil du denkst, dass Raza-ãk irgendetwas von dir will?” Wieder nickte der Franzose. “Bist du eigentlich bescheuert?!” Nathan starrte ihn fassungslos an, grinste aber aus irgendeinem schrägen Grund. Eliott zuckte mit den Schultern.

“Schätze.”, erwiederte er ausdruckslos.

“Cool!” Nathan gab Jenette einen High-Five.

“Hilft mir aber nicht!”, erwiderte Eliott gereizt. “Ich komme nun einmal nicht in die Abteilung!”

“Klar!”, erwiderte Jenette erstaunt.

“Wir nehmen einfach den Ausweis von Paps, damit kommen wir überall rein!”, ergänzte Nathan.

“Ihr könnt doch nicht einfach-” Eliott brach kopfschüttelnd ab.

“Es ist deine einzige Möglichkeit!” Nathan formte mit den Fingern eine Pistole und tat, als würde er auf den Anderen schießen wollen. Eliott stöhnte, musste aber unweigerlich ebenfalls grinsen. Als er gerade etwas sagen wollte, stützte sich jemand von hinten auf seine Schultern und raunte ihm mit tiefer, verstellter Stimme ins Ohr:

“Naaaaaa? Wer bist denn duuuuu?” Eliott fuhr herum und starrte den nun vor Lachen am Boden liegenden Mann erschrocken an. Er trug einen bodenlangen, schwarzen Mantel mit einer spitzen Kapuze, ein schwarzer Regenschirm lag neben ihm auf dem Boden. Er hatte kurze, braune Locken, trug einen drei-Tagebart und seine stechend grüne Augen blitzten schelmisch.

“Paps! Leise!”, fuhr Jenette ihn an und wollte ihn am Arm wieder auf die Beine ziehen. “Was sollte das überhaupt? Musste das unbedingt sein?” Er schüttelte nur den Kopf und blieb japsend auf dem Boden liegen. Eliott blinzelte, dann beugte er sich etwas zu Nathan rüber.

“Das ist dein Vater?”, fragte er skeptisch.

“Jupp. Was dagegen?”

“Äh..Nein, gar nicht. Äh.. Hat er … was genommen?”, fragte er unsicher. Nathan zuckte mit den Schultern.

“Vielleicht hat er dich ja verstört. Du wärst nicht der Erste. Und Nein, er hat keine Drogen genommen. Er ist immer so!” Eliott sah ihn etwas unsicher an.

“Hör nicht auf ihn! Mein Sohn labert Mist!” Der Mann, Nathans und Jenettes Vater, wie Eliott jetzt wusste, hatte sich aufgerichtet und stand grinsend vor ihnen, breitbeinig und die Hände in die Hüfte gestemmt. “Und? Wer bist du jetzt?”

“Er ist der Neuling, Paps. Das ist Eliott.”, erklärte Jenette.

“Eliott! Freut mich, dich kennenzulernen! Ich bin Timothy Locksley.” Nur zögernd nahm Eliott die ihm dargebotene Hand an und schüttelte sie. “Nenn mich einfach Timothy, ja!? Alles andere hört sich so unpersönlich an!” Jenette verdrehte die Augen, während Eliott sich verwirrt übers Gesicht strich.

“Ja, gleichfalls erfreut. Eliott Pierre Duchan.”, stellte er sich selbst noch einmal vor.

“Weiß ich doch.” Timothy winkte unwirsch ab, wobei der weite Ärmel seines langen, schwarzen Mantels Nathan fast ins Gesicht schlug. “Ich habe gerade entschieden, dich zum Abendbrot einzuladen!” Eliott riss erstaunt die Augen auf.

“Du siehst wie vom Zug überfahren aus!”, kicherte Nathan ungehalten. Eliott starrte ihn mit einem finsteren Blick an.

“Du solltest dich dran gewöhnen!” Jenette schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter, während sie Timothy aus der Bibliothek folgten. “Paps ist für seine Spontanität bekannt!”

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