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Kapitel XIV

Das Lachen ist ein wetterleuchtendes Aufblitzen der Seelenfreude, ein Aufzucken des Lichts nach draußen, sowie es innen strahlt.

~Dante Alighieri~

“Tim, Jenni, Nath! Genau pünktlich und wie ich sehe, habt ihr noch jemanden mit gebracht!” Eine mollige Frau in einem orangenen Woll-Poncho zog Eliott an sich und wuschelte ihm durch die ohnehin schon unordentlichen Haare. Sie hatte lange, rotblonde Haare und die gleichen grauen Augen wie ihre Kinder. Als sich Eliott endlich befreit hatte flitzte jemand an ihm vorbei und sprang Timothy an.

“PAPI!”, brüllte ein kleiner Junge in einem dunkelblauen Schlafanzug mit weißen und grünen Gespenstern. Er hatte rote Haare und grüne Augen. Als Timothy ihn hoch hob und im Kreis herum wirbelte, lachte er.

“Das ist Mick.”, raunte Jenette ihm zu und lächelte. “Er ist erst fünf und freut sich jedesmal riesig wenn Paps nach Hause kommt, selbst wenn er uns nur kurz zum Essen abholt wie eben!” Eliott folgte ihr ins Haus und setzte sich in der Küche neben Nathan und Jenette an den Tisch, an den sich kurze Zeit später auch Mick und die Eltern setzten.

“Du bist also Eliott.” Emily Locksley stellte den dampfenden Topf mitten auf den Tisch und noch bevor sie wieder saß, hatte Mick sich seinen Teller bereits reichlich beladen.

“Guten Appetit!”, rief er und ohne die anderen weiter zu beachten, fing er an zu essen. Eliott nickte etwas irritiert.

“Das muss furchtbar für dich sein.”, meinte Emily plötzlich. “Ich meine, erst wurde dein Vater ermordet, dann deine Mutter, und deine Schwester wurde auch noch entführt.”

“Und seine Freundin ist auch verschwunden!”, ergänzte Jenette.

“Dein Vater ist tot?!”, fragte Nathan fassungslos. Jenette stöhnte.

“Du bist auch doof, Nath!”

“Genau! Das stand doch vor gut einem halben Jahr im Magier-Kurier!”, rief Mick dazwischen und Emily brachte ihn schnell mit einem strengen Blick zum Schweigen. Jenette hatte bereits zu ihrem Handy, das neben ihrem Teller lag, gegriffen hatte und mit flinken Fingern darauf rum tippte.

“Hier.”, sagte sie. “Ich lese vor: »Nachdem vor etwa einer Woche der Schleicher und Millionär Olliver Duchan, lange wohnhaft in Frankreich, ermordet wurde, haben Forschungen des GgmK (Geheimdienst globaler magischer Kulturen) ergeben, dass sein Tod nicht durch magisch begabte Wesen herbeigeführt wurde, sondern durch den Normalsterblichen Nick W. Allerdings steht nach wie vor der Verdacht auf Manipulation zur Debatte. Da von Seiten der Sterblichen bereits ein Verfahren eingeleitet wurde, hält der SmWK (Staat magischer Wesen und Kulturen) es nicht für nötig, sich weiter um diesen Fall und den Schuldigen zu kümmern. Die Ermittlungen bezüglich des Verdachts auf Manipulation werden weiter verfolgt. Ollivers Frau und seine Kinder haben beschlossen, nach Deutschland, den Geburtsort des Vaters, zurück zu kehren. Der Titel des Familienoberhaupts wird gemäß der Tradition der Familie Duchan an das nächste männliche, und somit jüngste,  Familienmitglied Eliott Pierre Duchan weitergegeben. Der SmWK hält ihn für fähig, diesen Titel beizubehalten und zu tragen.« Das stand vor gut einem halben Jahr im Kurier, alle Magier wissen es eigentlich.” Schweigen hing lange Zeit zwischen ihnen. Dann fragte Eliott:

“Was ist ein Schleicher?”

“Jemand der nicht mit magischen Fähigkeiten geboren wurde, sondern auf unnatürlichen Weg seine magischen Kräfte erhalten hat.”, erklärte Timothy schnell. “Und diese Fähigkeit wird dann auch nicht weiter vererbt, das heißt, dass du und Nanine eure Magie von eurer Mutter habt.” Eliott zog verwundert die Stirn kraus.

“Leonardo sagte, ich hätte meine Magie von Dad. Mom ist gar keine Magierin!” Timothy zuckte mit den Schultern.

“Vielleicht-” Er sprach nicht weiter sondern starrte nur nachdenklich auf seinen Teller.

“Was?”

“Ach.” Er schüttelte den Kopf. “Vergiss es einfach!”

“Paps!”, protestierten Jenette und Nathan.

“Nein! Das ist nichts für euch Kinder!”

“Wir sind keine Kinder mehr!”, rief Mick laut. Seine Geschwister betrachteten ihn skeptisch.

“Du schon!”, entschied Nathan schließlich. “Komm sag schon, Paps!” Doch Timothy schüttelte nur ein weiteres Mal den Kopf und stand auf.

“Ich muss noch arbeiten. Entschuldigt mich bitte!” Mit diesen Worten verließ er die Küche. Nathan stöhnte frustriert auf.

“Wir waren so nah dran!” Eliott schwieg nur und starrte seinen Teller an. Wie sollte er in die verbotene Abteilung gelangen? Er konnte doch nicht einfach… Er schüttelte den Kopf, bevor er weiter grübeln konnte. Vergiss es, sagte er sich selbst und aß weiter.

“Mom, kann Eliott vielleicht über Nacht bleiben.”, fragte Nathan plötzlich. Seine Mutter sah ihn genauso überrascht an, wie Eliott und Jenette. Nur Mick rührte ungerührt in seinem Essen rum.

“Heute?” Emily sah ihren Sohn skeptisch an. “Wieso das denn?”

“Naja, gute Freunde kann man doch mal zum Übernachten einladen, oder?” Gute Freunde? Nun, sie kannten sich seit nicht ganz einem halben Tag. Eliott hätte sie nicht als “gute Freunde” bezeichnet, aber Nathan schien das anders zu sehen. “Und außerdem hat sich Eliott mit Leonardo gestritten, er wollte gerne etwas Abstand halten.” Eliott konnte sich nicht erinnern, ihm das gesagt zu haben, aber er protestierte nicht. Er hatte wirklich keine große Lust, Leonardo und Dr. Raiken zurück zu begegnen.

“Und wo stellst du dir vor, soll er schlafen?”

“Na, bei mir. Is doch klar. Wir bauen schnell das Reisebett auf und fertig!” Nathan sagte das, als wäre es eine Selbstverständlichkeit und seine Mutter nahm es hin.

“Willst du das denn, Eliott?” Eliott hob abschätzend die Schultern.

“Warum denn nicht?” Emily nickte.

“Dann ab mit euch!”, sagte sie und scheuchte die Kinder aus der Küche. “Sorgt dafür, dass Mick rechtzeitig ins Bett kommt. Und denkt daran, dass morgen Schule ist, geht also nicht zu spät ins Bett!”

“Ja-ha!”, riefen Jenette und Nathan noch, bevor sie Eliott aus der Küche zogen. Zur Kriegsbesprechung in Nathans Zimmer!

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