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Fanfiction, Prosa und Projekte – made by Carnifex.

Kapitel XIX

Wenn das Leben grau und trostlos ist, sei wie eine handvoll Bonbons- bunt und süß.

~Lewis Black~

“El! Hey, El!” Eliott konnte nur mühsam die Augen öffnen. Mit einem Brummen drehte er sich auf die andere Seite. “Komm schon, El. Mom hat Frühstück gemacht. Jenni und ich müssen gleich zur Akademie und du musst auch zurück zum Orden.” Nathan riss ihm mit einem Ruck die Decke weg. Mit einem Schlag fiel Eliott alles wieder ein. Das seltsame Abendessen, der nächtliche Raubzug, der Magie Crash-Kurs und die seltsamen Geheimnisse über Leonardo und dessen Zwillingsbruder. Er setzte sich auf und starrte Nathan finster an.

“Hey, ich bin ja auch müde!”, verteidigte dieser sich. Er hatte Augenringe. “Aber mein Schlafanzug steht dir wirklich gut. Zwar etwas groß, aber das sieht ja keiner.” Eliott knurrte erneut und schwand sich aus dem Bett. “Du weißt ja, wo Bad und Küche sind.” Mit diesen Worten verließ Nathan das Zimmer. Eliott ging ins Bad, duschte kurz, zog sich seine Klamotten an und musterte sich dann im Spiegel. Es war fünf Uhr morgens und er war bei weitem kein Frühaufsteher. Außerdem hatte er gerade einmal zwei Stunden geschlafen. Auch er hatte Augenringe, die nicht zu übersehen waren. Er spritzte sich noch etwas eiskaltes Wasser ins Gesicht, dann verließ er das Bad und ging runter in die Küche. Der Duft von Pfannkuchen verteilte sich im ganzen Haus.

“Ah! Guten Morgen, Eliott!” Emily Locksley zog ihn in eine sanfte Umarmung und drückte ihn dann auf einen der Stühle. “Iss soviel du kannst!”, befahl sie und stellte sich wieder an den Herd. Nathan schlang die Pfannkuchen förmlich in sich hinein, während Jenette geistesabwesend in einem Buch mit dem Titel ‘Magie für Fortgeschrittene – Jahrgang Gold’ blätterte und mit ihrer Gabel lustlos herum stocherte.

“Alles okay?”, fragte Eliott vorsichtig. Nathan nickte fröhlich, während Jenette trostlos den Kopf schüttelte.

“Sie schreibt heute eine Arbeit und hat vergessen zu lernen.” Er lachte leise.

“Das ist nicht witzig, du Volltrottel! Ich habe einmal vergessen zu lernen. Du lernst nie! Ich frage mich wirklich, wie du die Tests trotzdem bestehen kannst” Es war ihnen nichts von der gestrigen Aktion an zu merken.

“Hört auf zu streiten, Kinder, und beeilt euch lieber. Ihr kommt sonst noch zu spät!” Sie schob Nathan, Jenette und Eliott jeweils eine Brottüte und einen Apfel zu. “Für zwischendurch”, flüsterte sie verschwörerisch “Und jetzt hopp!”

“Moment, Eliotts Rucksack steht noch in meinem Zimmer.”, rief Nathan und sprang auf. Der Rucksack mit den Büchern.

“Aber er hatte doch keinen Rucksack dabei!”, sagte Mick und Jenette warf ihm schnell einen strengen Blick zu.

“Das hast du doch gar nicht gesehen. Du hast dich ja gleich auf Paps gestürzt!” Nathan kam mit der schweren Tasche zurück und ließ sie im Flur erstaunlich leise auf den Boden sinken.

“Nun, Eliott.” Emily Locksley zog ihn wieder an sich. “Es war mir eine Freude, dich bei uns zu haben! Besuch uns doch bald wieder! Aber jetzt, ab die Post. Sonst kommt ihr wirklich noch zu spät.” Jenette verdrehte die Augen, schnappte sich ihre Brottüte und ging mit Eliott und Nathan zur Haustür.

“Tschau, Mom und Mick!”, riefen die Geschwister. Und ein zweistimmiges “Tschüss!” kam zurück.

Eine Weile lief das Trio stumm die noch immer nassen Straßen entlang. Eliott betrachtete die Gondeln, die auf dem Wasser schwankten. Das Gewicht des Rucksacks drückte schwer auf seine Schultern. Es war Jenette, die ihn schließlich aus seiner Träumerei riss.

“Wie war das jetzt mit dem Krankenhaus und woher ist diese grässlich Wunde in deinem Gesicht?” Eliott seufzte. Sie hatten es nicht vergessen. Leider!

“Ich hatte einen Asthmaanfall. Und das Teil hat Raza-ãk mir im Wald verpasst kurz bevor ich hier her gekommen bin.”, erklärte er knapp und mehr wollte er eigentlich auch nicht sagen.

“Du bist Asthmatiker?”, fragte Nathan erstaunt. Eliott antwortete nicht.

“Hm.” Nathan sah seinen Freund von der Seite an. Eliotts Blick war starr nach vorne gerichtet und seine Mundwinkel zuckten. “Weißt du, ich habe auch ein Geheimnis, dass mir irgendwie ziemlich unangenehm ist. Naja, also eigentlich ist es garnicht mehr so geheim, fast die ganze Schule weiß es, aber…-“

“Was er eigentlich sagen wollte, war, dass er schwul ist, Eliott.”, unterbrach Jenette Nathans herum Gedruchse. Er sah sie empört an, doch sie ignorierte das gekonnt. “Und ich habe mich früher immer mit jedem geprügelt, der mir blöd kam.” Erstaunlich, für ein Mädchen.

“Paps hat ADHS, oder zumindest könnte man das denken. Mom… Ja, Mom ist eigentlich perfekt. Und Mick ist eine totale Nervensäge. Du siehst, wir sind so gut wie alle total komisch und seltsam. Da hingegen bist du harmlos!”, ergänzte Nathan. Eliott lächelte.

“Ich bin Erbe eines Millionenreichen, toten Franzosen!” Sie lachten.

“Du hast recht, das toppt alles!”, rief Jenette lachend.

“Und ich habe eine Schwäche für Zitate.”, fügte Eliott noch hinzu. Nathan sah ihn interessiert an.

“Zitate?”

Unterschätze nicht die Macht der Worte. Sie können schlimme Dinge meinen, aber sie können dich genauso dorthin tragen, wo du glücklich bist. Von Lewis Black. Ich habe ein Heft, in dem ich Zitate sammel.”

“Okaaaaay?! Das IST schräg!”, entschied Nathan und Jenette nickte zustimmend. “Und die lernst du alle auswendig?”

“Mache Zitate sind sehr aufbauend. Ich lese sie gerne und irgendwann haben sie sich halt eingeprägt.” Eliott zuckte mit den Schultern. “Wollt ihr noch mehr peinliche Sachen hören?”

“Das ist doch nicht peinlich!”, protestierte Jenette. “Eher… niedlich!” Eliott lächelte.

“Ich kaue an den Fingernägeln, wenn ich nervös bin.”, gab Nathan preis.

“Ich auch!”, lachte Eliott. “Macht das nicht jeder?”

“Ich nicht!” Jenette zeigte ihnen ihre langen, rosa lackierten Fingernägel. Im Gegensatz zu ihren schwarzen Jeans und der schwarzen Lederjacke war das ein krasser Kontrast, passte aber gut zu ihrem rosa Top. Eliott und Nathan streckten ihre Hände vor und zeigten ihr die ab geknabberten Fingernägel. Jenette lachte und zog die zwei in das große Gebäude der Basilica San Marco, dessen orientalisch anmutender Stil jetzt im Sonnenlicht sehr gut zu sehen war. Als die schweren Tür hinter ihnen zu fiel, blieb Eliott abrupt stehen.

“Guten Morgen, Eliott.”, begrüßte Leonardo ihn scharf. “Ich glaube, wir haben etwas zu besprechen.” Nathan und Jenette lösten sich langsam von ihrem Freund und lächelten aufmunternd, während Leonardo Eliott hinter sich her zog.

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