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Fanfiction, Prosa und Projekte – made by Carnifex.

Kapitel XV

Das Gelingen ist manchmal das Endresultat einer ganzen Reihe missglückter Versuche.

~Vincent van Gogh~

“Also!” Nathan fegte einige Schulmaterialien von seinem kniehohen, schwarzen Tisch achtlos auf den Fußboden und zog ihn in die Mitte des Zimmers. “Wie stellen wir es an?” Jenette zog die Sitz Kissen an den Tisch und ließ sich auf eines fallen. Eliott zuckte mit den Schultern und setzte sich neben Nathan ebenfalls auf eines der Sitz kissen.

“Wie kommen wir an Paps Armband?”, überlegte Jenette laut und stützte ihr Kinn auf ihre Hand. “Wann legt er es immer ab?”

“Zum Schlafen.”

“Das wird aber schwierig. Zum Duschen!”, erwiderte Jenette. Eliott runzelte die Stirn.

“Das ist nicht euer Ernst. Ihr wollt das echt durchziehen?” Eliott starrte die Beiden fassungslos an.

“Klar! Oder hast du etwa Muffensausen gekriegt?” Ein Klopfen an der Tür ließ Nathan verstummen. Emily trat vorsichtig ein und stellte einen Teller Kekse und drei Tassen Milch auf den Tisch.

“Ich möchte ja nicht stören-“

“Dann tu’s nicht!”, warf Nathan ein.

“-aber Jenni, bringst du bitte Mick ins Bett? Er möchte, dass du ihm eine Geschichte vor liest!”, sprach Emily unbeirrt weiter. Jenette lächelte.

“Entschuldigt mich kurz Jungs, ja?!” Damit fegte sie aus dem Zimmer und Nathan sah ihr genervt nach.

“Werden wir heute irgendwann noch einmal fertig?”, nölte er.

“Die Kekse sind echt gut, Frau Locksley!”, sagte Eliott. Sie lachte.

“Ach, nenn mich doch Emily, mein Schatz.” Sie drehte sich lächelnd um. “Ich lass euch dann mal wieder alleine Geheimnisse krämern!” Es war nicht zu leugnen, dass Eliott sie mochte. eigentlich wünschte er sich sogar, seine Mutter wäre auch öfter so offen gewesen. So offen und… Jenette riss mit bleichem Gesicht die Tür auf.

“Wir haben ein Problem!”, sagte sie hastig und schloss die Tür.

“Hast du Mick echt schon vorgelesen?” Jenette winkte ab.

“Ich habe ihm gesagt, wenn ich ihm jetzt nichts vorlesen muss, dann verraten wir ihm, worüber wir gesprochen haben und er kriegt Kekse.”

“Spinnst du? Wir können ihm doch nicht verraten, wovon wir hier sprechen. Das würde er nur petzen!”, stieß Nathan aus.

“Naja, genau das hat er aber verlangt. Ich bringe ihm gleich ein paar Kekse und morgen erzählen wir ihm einfach irgendein total unsinniges Geheimnis!”

“Von irgendeinem Picnic zum Beispiel. Oder wir gehen schwimmen.”, schlug Eliott vor, was bei den Geschwistern allerdings nur für einen Lacher sorgte.

“In Venedig kann man so gut wie überall schwimmen, Kleiner. Ist zwar nicht sonderlich sauber, das Wasser, aber wem es gefällt?!”, prustete Nathan. Jenette killte die Stimmung ziemlich schnell wieder.

“Ich bringe Mick jetzt die Kekse und danach müssen wir dringend eine Plan Änderung vornehmen!” Sie schnappte sich ein paar Kekse und war schon wider weg.

“Ich frage mich echt, was das für ein Problem sein soll!”, grübelte Nathan.

Seine Antwort bekam er recht bald.

“Was?!” Nathan sah seine Schwester fassungslos an.

“Sie haben gerade in der Küche gesprochen. Er fährt morgen schon um vier Uhr los.”, erwiederte Jenette düster.

“Und wie sollen wir dann an das Armband kommen?”, fragte Eliott.

“Gar nicht!”, antwortete Nathan murrend. Eliott starrte die Tischplatte an.

“Ey, kommt schon, Jungs. So schnell könnt ihr doch nicht aufgeben! Wir haben doch immer noch heute Abend.” Sie überlegte kurz. “Naja, und morgen früh.” Nathans Gesicht hellte sich etwas auf.

“Wir können mitten in der Nacht in ihr Schlafzimmer und das Armband holen!”, flüsterte er halb laut. Eliott rümpfte die Nase. Er konnte sich immer noch nicht wirklich mit dem Gedanken anfreunden, dass er einen Diebstahl begehen sollte.

“Seid ihr sicher, dass es keine andere Möglichkeit gibt?”, fragte er. Jenette zuckte mit den Schultern und schüttelte gleichzeitig den Kopf.

“Nein. In die Abteilungen kommt man nur mit den Armbändern und mir fällt jetzt nur Dads Armband ein, mit dem man überall rein kommt.”

“Ihr wollt wirklich euren Vater bestehlen? Fällt da nicht zu allererst der Verdacht auf euch?”

“Oder auf dich!”, erwiderte Nathan grinsend. “Wir müssen das einfach noch diese Nacht machen. In die Bibliothek einbrechen und hinterher das Armband wieder hinlegen. Und keiner merkt etwas!” Die Geschwister sahen Eliott erwartungsvoll an. Er rang etwas mit sich.

“Okay!”, sagte er schließlich.

“Prima!” Nathan erklärte mit wenigen Worten den Plan. Sie alle blieben wach, bis Timothy und Emily Locksley ins Bett gehen würden. Nathan würde sich dann ins Schlafzimmer schleichen und das Armband nehmen, während Jenette einen Rucksack für die Bücher holen würde. Hörte sich ziemlich einfach an und das war es letztendlich auch. Als sie schließlich vor der Haustür standen, atmete Eliott erleichtert auf.

“Los jetzt! Wir müssen uns beeilen!”, flüsterte Jenette und rannte durch den Regen über die nassen Straßen runter zur Piazza der Basilica San Marco, dicht gefolgt von Nathan und Eliott.

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