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Fanfiction, Prosa und Projekte – made by Carnifex.

Kapitel XXI

Wenn der Mensch verliebt ist, zeigt er sich so, wie er immer sein sollte.

~Simone de Beauvoir~

“Und?” Nathan und Jenette sahen Eliott erwartungsvoll an. Er war nach dem Gespräch direkt zum Eingang der Bibliothek gegangen, noch nicht hinein, da er sich nicht sicher war, ob sie mit dem Rucksack, den Jenette hatte, rein konnten. Jetzt war es kurz nach zwölf, der Unterricht war zu Ende und auch sie waren direkt zur Bibliothek gekommen.

“Alles okay.”, winkte dieser ab. “Er weiß nichts.” Die Geschwister atmeten erleichtert auf. “Ich habe ihn übrigens auch wegen den Akademie gefragt. Ich darf erst Montag.” Es war Donnerstag, er musste also nicht mehr allzu lange warten.

“Yeah!”, jubelte Nathan. Auch Jenette lächelte, drückte ihm aber den Rucksack in die Hand, den sie ihm in der Basilica schnell abgenommen hatte, als sie Leonardo gesehen hatten.

“Wir können die Bücher nicht mitnehmen.”, erklärte sie. “Mum oder Mick könnten etwas mitkriegen.” Eliott nickte, das war verständlich. Natürlich lief er auch Gefahr, dass Leonardo oder irgendein anderer Magier die Bücher fand, aber erstens hatte er ein eigenes Zimmer (vorerst noch) und zweitens kannte er kaum jemanden. Ob es umgekehrt genauso aussah, war er sich jedoch nicht so sicher.

“Gehen wir in mein Zimmer? Da können wir ungestört reden!”, schlug Eliott vor. Er fand sich jetzt viel besser zurecht in dem riesigen Gebäude und lotste seine Freunde ohne Probleme durch die Gänge. Sie ließen sich auf sein Bett fallen und Eliott legte die Bücher aus dem Rucksack neben sie.

“Hol mal dein Buch, Eliott!”, wies Jenette an und nahm sich eines der Bücher. Sie waren alle auf diese seltsame Art geschrieben: die Buchstaben scheinbar wahllos auf der Seite verteilt. Eliott reichte ihr das Buch mit dem blauen Leder Umschlag.

“Ich habe keine Ahnung, wie man das lesen soll!”, gab sie nach einiger Grübelei schließlich auf.

“Gib mal her!” Nathan riss ihr die Bücher aus der Hand, doch auch er wusste nicht weiter. Doch er hatte eine andere Idee. “Lasst uns noch einmal in die Bibliothek gehen! Vielleicht finden wir ja ein Buch über Geheimschrift.”

“Nath, wir kommen nicht wieder in die Abteilung. Wir kommen höchstens in die Gold Abteilung. Wir haben nur unsere Armbänder!” Sie fuchtelte mit ihrem Armband vor seinem Gesicht rum. Bronze, Silber und Gold.

“Aber wir können drei Abteilungen durch forsten!”, sagte Eliott und Nathan nickte.

“Genau das meine ich!”, rief Nathan. Jenette blinzelte.

“Dann los!”, rief sie. “Aber der Rucksack bleibt hier.”

Sie liefen möglichst unauffällig in der Bronze Abteilung herum und als Jenette sicher war, dass keiner sie sah, packte sie die Jungs und zog sie in die Silber Abteilung. Dadurch, dass sie direkten Körperkontakt zu den Jungs hatte, konnte sie sie in die Abteilung ‘schmuggeln’, wie Nathan sie am Abend zuvor alle in die verbotene Abteilung gezogen hatte. Es standen einige Schüler in dem Gang, doch die hatten ihr Kommen garnicht bemerkt.

“Math hat gesagt, hier gäbe es Bücher über Geheimschriften.”, flüsterte Jenette.

“Math? Wer ist das?”

“Mathew Kleratis. Jenni ist total in ihn verschossen!”, feixte Nathan. Jenette wurde rot.

“Konzentration.”, murmelte Eliott unbeteiligt und entfernte sich von den Beiden. Es dauerte nicht lange, bis sie sich alle wieder gefunden hatten. Sie standen vor einem eher kleinen Regal mit der Überschrift ‘Geheimschriften und Altschrift’.

“Da wären wir.” Eliott zog eines der Bücher aus dem Regal und blätterte. “Es wird ewig dauern, bis wir das richtige Buch haben!”

“Nehmen wir einfach alle mit!”, rief Nathan munter, doch Jenette schüttelte den Kopf.

“Maximal zehn Bücher, das weißt du doch, Nath!” Es waren genau dreizehn Bücher. Und sie liefen Gefahr, genau die zu erwischen, in denen die Schrift, die sie brauchten, nicht stand.

“Hey Jenni!” Die drei fuhren herum, während Jenette rot anlief. Vor ihnen stand ein ungefähr 1,75 großer, muskulöser Junge mit wirren, blonden Haaren und einem ziemlich verwegenen Grinsen. Er sah aus, als würde er jedem Moment einen Rückwärtssalto machen, es war ihm zu zutrauen.

“H-h-hey Math!”, brachte sie heraus. “Was machst du denn hier?” Sie schob sich mit zitternder Hand eine Haarsträhne hinters Ohr, während Eliott und Nathan genervt die Augen verdrehten.

“Hab euch reinkommen sehen und da dachte ich, ich frage dich mal, ob ich mir dein Russisch Heft leihen kann. Ich war ja letzte Stunde nicht da.”

“Klar, aber ich habe mein Heft im Spind. Ich bringe es dir nachher vorbei.” Sein Grinsen wurde noch breiter.

“Klar. Weißt ja, Zimmer 6.”

“Hm-hm.” Nathan stieß sie etwas an und deutete mit einer kleinen Kopfbewegung auf das Bücherregal. Jenette blinzelte. “Math?”

“Ja?” Er legte den Kopf schief.

“Kannst du mir einen Gefallen tun und fünf Bücher für mich ausleihen? Ich gebe sie dir auch rechtzeitig zurück, aber ich habe bereits zwei Bücher zu Hause und brauche diese Bücher auch noch alle.” Sie ließ ihren Finger über die dreizehn Buchrücken gleiten.

“Ich tue der Prinzessin furchtbar gerne ein Gefallen.” Er zog mit einer geschmeidigen Bewegung fünf der Bücher aus dem Regal. “Ich warte am Spind auf dich.”, hauchte er und ging. Jenette starrte ihm noch eine ganze Weile hinterher.

“Also echt. Und du hast Angst, dass er dich nicht mag? Er ist dir verfallen, Jenni. Mit Herz und Seele!”, sagte Nathan. “So ein Affe!” Seine Schwester funkelte ihn böse an.

“Halt den Mund, Nathan!”

“Wir sollten vielleicht wirklich etwas netter zu ihn sein, Nath.”, fügte Eliott trocken hinzu. “Immerhin hat sich dank ihm gerade unser kleines Problem gelöst.”

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