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Fanfiction, Prosa und Projekte – made by Carnifex.

Kapitel XXII

Du bekommst niemals eine zweite Chance, um einen ersten Eindruck zu hinterlassen.

~Skodran Mustafi, Deutsche 11~

Es war mitten in der Nacht. Eliott saß auf seinem Bett, umgeben von den Büchern, die sie ausgeliehen hatten, doch er befasste sich gar nicht mit ihnen. Er dachte nach. Er machte sich Sorgen um Nanine. Seit ihrer Entführung und dem Tod seiner Mutter waren jetzt drei Tage vergangen. Und dann war ja auch noch Laura verschwunden. Er musste unbedingt in die Schattenwelt gelangen, koste es, was es wolle. Mit einem Seufzer wandte er sich dann doch den Büchern zu und schlug das erste auf.

“Das griechische Alphabet. Zählt das ernsthaft als Geheimschrift?”, sagte er zweifelnd zu sich selbst. Müde rieb er sich die Augen, blätterte aber wieder in dem Buch. “Zaren Alphabet, Dynamik Fingerlesen…” Er griff zum nächsten Buch, blätterte es kurz durch und griff wieder nach einem anderen. Er gähnte wieder und sein Handy erinnerte ihn daran, dass es bereits wieder ein Uhr morgens war. Schon halb am Schlafen stopfte er alle Bücher zurück in den zweiten Rucksack und schob ihn zu dem anderen in seinem Kleiderschrank, bevor er sich ins Bett legte und innerhalb von wenigen Sekunden eingeschlafen war.

“Was willst du? Hör auf!” Eliott drehte sich um, als er Lauras Stimme hörte. Er stand in einer großen, dunklen Höhle, überall hingen Stalagmiten von der Decke und ragten aus den Wänden. “Wer bist du überhaupt?” Lauras Stimme schien von überall zu kommen, doch Eliott folgte dem einzigen Gang, den es gab. Dieser führte ihn in eine noch größere Höhle, die wie ein Thronsaal aussah. Ein riesiger Stein in der Mitte war zu einem imposanten Stuhl geschlagen und ihm saß Raza-ãk. Vor ihren Füßen lag Nanine, sie bewegte sich nicht. Eliott rannte zu ihr.

»Wir haben ja Besuch.«, hörte er Raza-ãk in seinem Kopf zischen. »Hallo mein Kleiner.« Eliott funkelte Raza-ãk böse an.

“Was hast du mit ihr gemacht? Und wo ist Laura?”, brüllte er. Er drehte Nanine auf den Rücken, sie atmete.

»Oh, deine Schwester schläft nur. Sie bereitet sich vor. Und deine Freundin…« Sie winkte einem ihrer seltsamen, fast Menschlich aussehendes Schattenwesen, der Laura über der Schulter trug. Vor dem Thron ließ er sie fallen. Sie rappelte sich schnell wieder auf und funkelte Raza-ãk genauso böse an, wie Eliott es tat.

»Dein kleiner Freund besucht uns.« Die Hexe deutete auf Eliott und Laura sah verwirrt in seine Richtung. »Du kannst ihn nicht sehen oder hören, er träumt nur, er ist nicht wirklich hier.« Laura fauchte.

“Ich verstehe dich nicht, du blödes Miststück!”

»Nein, das tut sie wahrlich nicht.« Raza-ãk wandte sich wieder ihm zu. »Und jetzt verschwinde, Kleiner. Du hast lange genug spioniert!« Eliott jedoch schüttelte den Kopf.

“Worauf bereitet Nanine sich vor?” Raza-ãk zischte, sichtlich wütend, dass er nicht verschwand.

»Das geht dich nichts an!«, knurrte sie. Sie krümmte die Hand vor der Brust und zog sie dann schnell nach Vorne, als würde sie etwas wegscheuchen. »Wieso verschwindest du nicht?«, kreischte Raza-ãk. »Wieso bist du immer noch da?« Sie sprang von ihrem Thron auf. Eliott wich zurück, doch sie hatte schon seinen Hals gepackt und schüttelte ihn. »Verschwinde!« Und plötzlich fiel Eliott, in unendliche Dunkelheit…

Mit einem lauten Schrei fuhr Eliott hoch. Gehetzt sah er sich um, er war wieder in seinem Zimmer. Mit einem erleichterten Seufzer befreite er sich aus seiner Decke, die sich auf eine sehr seltsame Weise um ihn gewickelt hatte, und ging zum Fenster. Wie spät mochte es wohl sein. Er drehte sich um, um nach einer Uhr zu suchen.

“Zwei Uhr siebenundvierzig.”, sagte plötzlich eine tiefe Stimme von der anderen Seite des Zimmers aus Richtung der Tür. Eliott machte erschrocken einen Satz zurück. “Du brauchst dich nicht zu erschrecken!” Jetzt trat die Person in das schmale Mondlicht. Der Mann trug einen dunklen Trenchcoat und hatte einen schwarzen Filzhut auf. Seine langen, dunklen Haare waren zu einem Zopf gebunden. Er sah Leonardo zum verwechseln ähnlich.

“Theodor Duchan.”, sagte Eliott.

“Du hast von mir gehört.” Der Mann klang überrascht.

“Allerdings. Sie haben mir im Krankenhaus das Buch gegeben, nicht wahr?” Theodor nickte.

“Das habe ich. Aber wie ich sehe, bist du noch nicht wirklich weiter gekommen.”

“Wieso sind sie hier? Sollten Sie nicht in Russland im Gefängnis sitzen?” Theodor hüstelte und kratzte sich verlegen am Kopf.

“Sagen wir so… ich habe mich entlassen.” Eliott zog ungläubig eine Augenbraue hoch.

“Und was wollen sie von mir? Schon wieder übrigens?”, fügte er hinzu. “Und wie haben sie mich überhaupt gefunden?” Theodor sah Eliott lange und nachdenklich an, mit leicht schief gelegtem Kopf, als wäre er eine Katze und Eliott seine Beute und er würde überlegen, wie er sie töten solle.

“Du hattest einen Albtraum. So habe ich dich gefunden. Ich habe eine gewisse Neigung zu Albträumen, ich hab mich in Magiekunde eher mit Träumen beschäftigt und Albträume sind die stärkste und mächtigste Traum Art, die es gibt. Deswegen kann man damit ziemlich gut Leute aufspüren.” Er stieß sich von der Wand ab. “Und hier bin ich, weil ich dachte, dass du vielleicht meine Hilfe brauchst.”

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