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Fanfiction, Prosa und Projekte – made by Carnifex.

Killer oder Kaffekränzchen? (Jeff the Killer)

Er tötet Menschen. Er macht ihnen Angst, und tötet sie dann. Keinesfalls luden sie ihn zu einem Kakao und einem Stück Kuchen ein! // Jeff the Killer

“Schatz, hol schnell die Waffe, Jeff- er… wir…”

Ohne die Augen zu öffnen, denn das war ja gar nicht nötig, sich sonst irgendwie zu bewegen oder einen Laut von sich zu geben, wurde Jeff aus seinem Tagtraum gerissen. Er wusste nicht, wieso, aber es war sowieso nicht schlimm. Er hatte gar nicht schlafen wollen. 

Wieso hatte er auch von seiner Mutter geträumt? Sie war tot, aus gutem Grund. Und das sollte sie auch bleiben.

Wieder ohne einen Laut von sich zu geben bewegte sich Jeff etwas an seinem Platz unter dem Fenster, verdeckt von dichten Büschen, und streckte die eingeschlafenen Beine etwas, um wieder etwas Gefühl zu bekommen.

Etwa eine Minute später richtete er sich auf und streckte sich, dann drehte er sich um. Im Fenster, das einen Spalt breit offen stand, konnte er sein Spiegelbild sehen: bleich, riesige, schwarz umrandete Augen, ein breites, blutiges Lächeln, das sich noch etwas hob, als Jeff das Fenster lautlos höher schob.

Laitlos, bis es auf halber Höhe überlaut quietschte und den Killer mitten in der Bewegung erstarren ließ. Er wartete eine Weile, doch als nichts geschah, schob er das Fenster weiter hoch.

Quiiiiiieeeetsch.

Quiiiiiiiiiiieeeeeeeetsch!

Quiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuieeeeeeetsch!!

Er biss die Zähne zusammen, bis das Fenster weit genug offen war, dass er hindurch schlüpfen konnte, dann landete er mit beiden Füßen im Schlafzimmer.

Er ging sofort zum Bett, sein schmieriges, mit trockenem Blut verziertes Messer fest in der Hand. Nichts rührte sich. Das Bett-

Jeff riss die Decke mit einem Ruck zurück. Das Bett war leer. 

Sein Kopf schnellte herum und er sah die angelehnte Zimmertür. Er ging rüber, und als er die Tür öffnete –

QUIIIIIIIIIEEEEEEETSCH!

“Ahh–” Jeff stöhnte leise genervt. Immer diese Leute, die ihre Türen und Fenster nicht fetten konnten!

Wieder passierte nichts. Stattdessen bemerkte Jeff Stimmen aus dem Wohnzimmer. Ein Mann und eine Frau, die laut stritten.

“-du versoffener Kerl kommst doch sowieso immer später nach Hause!!! Welche Schlampe hast du diesmal flach gelegt, hä?!”

“Musst du gerade sahen, du dumme Hure! Ich weiß genau, was hier passiert, wenn ich auf Arbeit bin!!”

Es klatschte laut, ein unterdrücktes Stöhnen.

“So redest du nicht mit mir, Mistkerl!”

Ein weiterer Klatscher, diesmal kam das leise Wimmern von der Frau

“Schlampe!!”

Jeff hob langsam eine Augenbraue. 

Sollte hier nicht nur eine alter Frau wohnen? Von einem zerstrittenen Ehepaar hatte er gar nichts gewusst.

Er wartete noch kurz und hörte sich die weiteren Beleidigungen an, dann zuckte er mit den Schultern. Waren es eben zwei Opfer, und die Oma würde er auch noch finden.

Er schlich auf die Wohnzimmertür zu, von woher der Lärm kam, und stieß diese auf. Helles Licht schlug ihm entgegen, ausgehend von einem Fernseher. Eine Mann und eine Frau standen sich in dem Film gegenüber und prügeln sich halb tot.

Ach, so war das also.

In dem Sessel, der vor dem Fernseher und mit der Rückenlehne zur Tür stand, konnte Jeff eine Person ausmachen. Ein Fuß, geschmückt mit einem flauschigen, grauen Schuh, ragte am Fuß vorbei, eine Hand hing über die Lehne. Weiße, lockige Haare ragten knapp über der Lehne hervor.

Er schlich auf den Sessel zu, plötzlich sprang die Person in dem Sessel allerdings auf und stieß ihre Faust Richtung Fernseher, als Jeff genau daneben stand.

“Richtig so!!”, brüllte die kleine, alte Frau und feuerte die Frau im Film an, die ihrem Mann gerade mit einer Pfanne eins überzog. Dann bemerkte sie Jeff, der sie mit großen, überraschten Augen ansah. “Huch? Habe ich die Tür offen gelassen?” 

Jeff schüttelte langsam den Kopf. “D- Äh, das Fenster-“

“Achso!” Die Frau drehte sich wieder zum Fernseher, wo die Frau erneut zu schlug. “Genau so!!” Dann sah sie wieder zu Jeff. “Was wollen Sie denn? Sind sie wegen der Verstopfung in meiner Toilette hier?”

“Toilette…” Jeff war zu perplex, um irgendwie zu reagieren, aber die Frau lächelte fröhlich. 

“Na, das ging ja schnell! Kommen Sie, kommen Sie. Ich zeige Ihnen den weg!” Sie stöckelte voran, um Jeff den Weg zum Bad zu zeigen, bemerkte dann allerdings das Messer in seiner Hand. “Gottchen, ist das dreckig. Machen Sie Ihr Werkzeug denn nicht sauber?”

Ohne irgendeinen Kommentar nahm sie ihm das Messer ab.

“H-Hey!” Jeff schüttelte kurz den Kopf, um seine verwirrte Starre abzulegen und folgte ihm.

“Keine Sorge, ich wasche es nur schnell ab!” Sie legte es in die mit Wasser gefüllte Spüle und rieb mit dem Schwamm daran herum. “Da ist ja ziemliche Scheiße dran. Geht ganz schwer ab. Reparieren Sie öfter mit einem Küchenmesser Toiletten?”

Jeff schwieg, da ihm einfach keine Antwort einfiel, doch kurz darauf gab die Alte ihm sein Messer wieder, dass jetzt blitzblank und noch ziemlich heiß war. Er wechselte es ein paar Mal in der Hand, bis er sich an die Temperatur gewöhnt hatte, während die Alte schon wieder weg ging.

“Hier lang, hier.” Sie öffnete eine Tür und schaltete das Licht ein. Es war das Badezimmer. Es roch unangenehm. “Ich hätte nicht gedacht, dass Sie so spät noch kommen! Ihre Frau muss wohl ziemlich sauer sein.” Sie sah Jeff erwartungsvoll an.

“Nein, ich bin nicht-“

“Nicht verheiratet? Aber so ein netter Bursche? Nun gut, ich gehe etwas zu Essen zubereiten. Sie mögen doch Kakao und Kuchen?” Sie stöckelte wieder in Richtung Küche. 

“Ehm… ja….”

Eine halbe Stunde später hatte Jeff die Verstopfung in der Toilette beseitigt, nicht mit seinem Messer, und saß in die mit Spitzendeckchen dekorierten Küche. Vor ihm eine dampfende Tasse Kakao mit Marshmallows und ein Stück Apfelkuchen. Die Alte saß ihm gegenüber. 

“Haben Sie keine Angst vor mir?”, fragte Jeff endlich. Die Alte legte den Kopf schief.

“Wieso das denn?”

“Naja, weil ich so aussehe?” Er deutete mit seinen bleichen Händen auf sein Gesicht.

“Ach, ich hab schon schlimmeres gesehen. Schlaghosen und den ganzen Glammeur Kram. Die Neunziger waren fürchterlich.” Sie lachte amüsiert und Jeff bemerkte, dass ihr Gebiss nicht echt war.

“Finden Sie mich nicht unheimlich oder hässlich?”

“Ach was, Sie sind doch ein Charakterguter Mann!”

Die beiden starrten sich eine Weile an, in der die Alte fünfzehn und Jeff kein einziges Mal blinzelte. Dann stieß Jeff seine Gabel in das Kuchenstück.

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