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Fanfiction, Prosa und Projekte – made by Carnifex.

Montagmörder (5. Teil)

John bezahlte das Taxi, während Sherlock schon los stürmte, so dass sich der Andere beeilen musste, hinterher zu kommen.

“Lag ich irgendwo falsch?”, fragte der junge Consulting Detective.

“Ich vertrage mich nicht gut mit Harry, das war schon immer so. Seit drei Monaten leben Clara und Harry getrennt. Und Harry trinkt.”, stimmte John nachdenklich zu.

“Ich hätte nie gedacht, dass ich in allem richtig lag!”, feixte Sherlock, doch John war noch nicht fertig.

“Harry ist kurz für Harriet.”, ergänzte John abwesend. Sherlocks Auge zuckte leicht, während John sich verwundert um sah.

“Deine Schwester?”, hakte er nach.

“Was genau soll ich hier eigentlich tun?”

“DEINE SCHWESTER!!”, brüllte Sherlock frustriert.

“Im Ernst, was mache ich hier?!”

“Mir helfen, was sonst.” Sherlock grummelte beleidigt. “Die Schwester! Irgendwas ist ja immer!”

Sie gingen auf ein hohes, etwas älteres Gebäude zu. Der Tatort war bereits mit dem gelben Band abgesperrt, und eine junge Frau stand an der Seite, die Sherlock schnurstracks ansteuerte. Sie hatte rote, lockige Haare, und obwohl Sherlock eindeutig junger war, überragte er auch sie.

“Hallo Freak.”, begrüßte sie ihn mit zusammen gekniffenen Augen. “Müsstest du nicht in der Schule sein?”

“Erstens: Universität. Zweitens: Es ist fast Neunzehn Uhr, ganz sicher nicht. Drittens: Ich möchte zu Detective Inspektor Lestrade.”

“Wieso?”, fragte sie misstrauisch, und Sherlock verdrehte die Augen, hob das Absperrband und schlüpfte drunter durch.

“Er bat mich her, ich soll mir den Tatort ansehen.”

“Vergiss es. Du hast hier nichts zu suchen!”

“Schon klar, Sally.” Wenn er sie ärgern wollte, sprach er sie immer mit ihrem Vornamen an. “Ich weiß, dass du gestern Nacht nicht zu Hause warst.” Und duzte sie.

“Wie–” Ihr Blick fiel auf John, der ebenfalls gerade Anstalten machte, unter dem Band durch zu gehen, und sie damit von ihrer Frage ablenkte. “Wer ist das denn?”

“Ich bin sein…” John suchte nach dem richtigen Wort.

“Kollege!”, sprang Sherlock ein und stellte ihn vor. “John, das ist Sally Donovan, sprich sie mit ihrem Vornamen an, das hasst sie. Sally, das ist John Watson. Angehender Arzt, und mein Assistent!”

Sally sah ihn verdutzt an, bevor sie wie ein Katze fauchte: “Seit wann hast du denn Kollegen? Der ist dir doch nur nach Hause gefolgt!” Sherlock antwortete darauf nicht, stattdessen grinste er schief und sah sie provokant an. Sie verdrehte die Augen und wandte sich um. Sie holte ein Walkie Talkie aus ihrer Jacke.

“Der Freak ist hier”, sprach sie dort hinein. “Ich bringe ihn rein.” Auf dem Weg zur Eingangstür verfinsterte Sherlocks Blick sich zusehends, und John entdeckte auch bald den scheinbaren Grund dafür.

Ein Mann kam ihnen entgegen, gekleidet in einen grünlichen Kunststoffanzug, den Forensiker trugen.

“Ah, Anderson.” Sherlocks Tonfall war genauso verdrießlich wie seine Miene. “So sieht man sich wieder.”

“Das ist ein Tatort!!! Verunreinige ihn bloß nicht!!!”, keifte Anderson.

“Hatte ich nicht vor”, antwortete Sherlock kühl und ging schnurstracks an ihm vorbei. “Ist Ihre Frau schon lange weg?”

“Tu nicht so, als hättest du das kombiniert! Das hat dir irgendwer gesteckt!”, erwiderte Anderson aufgebracht.

“Ihr Deo.”

“Mein Deo?”

“Es ist für Männer.” Sherlock grinste frech und schaffte es immer noch, auf den etwa gleich großen Mann hinunter zu blicken.

“Natürlich ist es für Männer! Immerhin benutze ich es!”

“Ja, und Sargent Donovan offenbar auch. Recht penetrant. Darf ich nun rein?” Anderson klappte der Mund auf und zu und auch Sally Donovan stand sprachlos daneben.

“I-ich weiß nicht, was du damit-“

“Gar nichts.” Sherlock drängte sich an dem immer noch stammelnden Anderson vorbei. “Ich bin sicher, Sally kam nur auf einen kurzen Plausch mit Tee und Kuchen vorbei und ist einfach über Nacht geblieben…” Er erreichte die Tür und konnte es sich nicht verkneifen, noch einen obendrauf zu setzen. “Und Ihren Fußboden muss sie auch gebohnert haben, so wie ihre Knie aussehen.” Damit drehte er sich um und stürmte hinein.

John grinste die sprachlosen Donovan entschuldigend an, dann folgte er ihm.

Sie fanden Lestrade direkt in dem Raum hinter der Eingangstür. Er zog sich einen ähnlichen Anzug an, wie der Forensiker eben getragen hatte.

“Wer ist das?”, fragte er sofort und deutete auf John.

“Mein Assistent.”

“Dein Assistent?”, fragte Lestrade verblüfft nach.

“Ja, Himmel! Warum finden das alle so seltsam?”, rief Sherlock genervt und sah sich um. “Wo ist das Opfer denn?”

“Oben, aber-” Sherlock war bereits los gestürmt, die gewundene Treppe hinauf, und hörte gar nicht mehr, wie Lestrade sagte, er solle sich ebenfalls einen Anzug anziehen. John tat dem Detective Inspektor den Gefallen und folgte ihm kurz darauf ebenfalls nach oben.

Oben fanden sie Sherlock in einem beinahe leeren Zimmer. Ein kleiner, runder Tisch, zwei dazu passende Stühle und ein leeres Regal dekorierten das Zimmer. Und dann war da noch die Leiche.

Sie lag mitten im Zimmer, auf dem Fußboden. Eine junge Frau, etwa dreißig Jahre alt, mit blonden Haaren in einer Dauerwelle, einem hellen Mantel der ihr bis zu den Knöcheln reichte und darunter trug sie ein dunkelblaues Kostüm. Sie lag auf dem Rücken da, die Augen geschlossen, als schliefe sie, trotzdem zeigten die verkrampften Hände John, dass es kein allzu natürlicher Tod gewesen sein konnte.

Es war natürlich nicht die erste Leiche, die er sah. Im Unterricht hatte er bereits mehrere gesehen, und in Afghanistan hatte es davon auch nicht wenige gegeben, trotzdem musste er schlucken, als er die tote Frau musterte.

Sherlock war sofort neben ihr in die Knie gegangen.

“Dariana Wallish.”, las Lestrade von einem Klemmbrett vor. “Wissen wir von ihrem Personalausweis.”

“Ssscht!”, machte Sherlock, und Lestrade verstummte abrupt. Sherlock zog aus seiner Jackentasche eine kleine Klapplupe und beugte sich zu der Frau hinunter.

An ihrem linken Arm war eine schmale Armbanduhr mit einem dunklen Lederband. Die Uhr war neu, aber das Display gesprungen.

Beim Sturz?

Sie war auf 17:34 Uhr stehen geblieben.

An ihrem rechten Arm war ein kleines Armband mit einer Gravur. Es bestand ganz anders als ihr restlichen Schmuck aus einem schmalen Goldband und einer kleinen, gebogenen Plakette.

Für Mommy <3 Ricky, Sandra und Julian.

Ihre Ohrläppchen wurden von kleinen, auf die Armbanduhr abgestimmten Steckern geziert, mit einem grünlichen Stein.

Ihre Kette war genauso ein einfaches Silberband mit kleinen grünen Steinchen, die an winzigen Ösen hingen.

Der Schmuck glänzte, war aber schon alt. Also war er regelmäßig gereinigt worden.

An ihrem linken Ringfinger trug sie einen schmalen, glänzenden, goldenen Ring mit einem winzigen, eingefassten Kristall, der im letzten Sonnenlicht glitzerte und kleine Regenbögen im Zimmer warf.

Ihre Klamotten waren schützend vor Regen, hielten Sherlocks Probe allerdings stand. Sie waren trocken.

Die wenige Schminke, die sie nutzte, hauptsächlich der Lippenstift, war leicht verwischt.

Ihre Tasche lag neben ihr, der Inhalt hatte sich halb über den Boden ergossen. Hauptsächlich Kleinkram, wie Taschentücher, Lippenpflege, aber auch ein Portemonnaie. Das Handy lag auf ihrer anderen Seite.

Sherlock zog sich einen Einweghandschuh an und hob es hoch, der Bildschirm war schwarz und als er das Display anschaltete, zeigte es nur noch 10% an. Aber die linke Spalte zeigte drei entgangene Rückrufe des Polizei Department an. Sie hatte angerufen, dann aber nicht mehr abgehoben. Also war sie zu dem Zeitpunkt entweder schon tot, oder nicht mehr in der Lage gewesen, zu antworten.

Er legte das Handy wieder weg und nahm das Portemonnaie entgegen, dann kontrollierte er das Fach, in dem die Scheine steckten, lächelte zufrieden, zog den Reißverschluss wieder zu und legte es wieder zurück.

“Was denkst du, John?”, fragte er beiläufig während er sich aufrichtete.

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