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Montagsmörder (1. Teil)

Daily Mail; Mo, 14. Januar- Im Sportzentrum wurde die Leiche des 18 Jährigen James Parker gefunden. Es gibt keine äußerlichen Anzeichen eines Mordes, die Polizei geht von Suizid aus.

Daily Mail; Mo, 21. Januar – Am frühen Nachmittag wurde die 39 Jährige Jennifer Lewis tot in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. Die Polizei geht von Suizid aus.

Montag, 28. Januar

“Die Leiche des 47 Jährigen Louis Welsh wurde heute Morgen auf einer Baustelle in London gefunden. Erste Untersuchungen deuten auf Suizid hin. Wir können bestätigen, dass dieser Suizid starke Ähnlichkeit mit denen von James Parker und Jennifer Lewis hat. Demnach gehen wir davon aus, dass diese Ereignisse zusammenhängen.” Sally Donovan, eine circa dreißig Jährige Frau mit wilden roten Locken, sah von ihrem Platz vor der Leinwand kurz auf die Journalisten hinunter, ehe sie weiter sprach. “Die Ermittlungen laufen noch, aber Detective Inspektor Lestrade wird trotzdem ihre Fragen beantworten.” Dieser saß neben ihr, die weiß blonden Haare wie immer wild in alle Richtungen abstehend.

Sofort schoss eine Hand hoch, der braunhaarige Besitzer wartete allerdings gar nicht darauf, aufgerufen zu werden, sondern rief: “Wie kann es bei Selbstmorden einen Zusammenhang geben?”

“Alle sind scheinbar auf die gleiche Weise gestorben, ohne Nachweise auf Gift oder Äußerliche Verletzungen, und wurden an Orten gefunden, die sie normalerweise nicht aufsuchen.”, erklärte Lestrade langsam. “Es gab bei keinen von ihnen Anzeichen auf einen Mo-“

“Serienselbstmorde?! So was gibt es doch gar nicht!”, unterbrach ihn jemand laut.

Lestrade seufzte. “Offenbar doch…”

“Gibt es zwischen den Opfern eine Verbindung?”, fragte ein anderer Journalist, groß und breitschultrig mit einer Kaffeefarbenen Haut.

“Gefunden haben wir noch keine…Aber es muss eine geben! Wir suchen danach.”

Plötzlich klingelten überall im Raum verschiedene Töne von eingegangenen Nachrichten. Auch Lestrade und Donovan erhielten diese Nachricht. Sie bestand lediglich aus einem Wort.

Falsch!

“Ignorieren Sie diese SMS einfach!”, sagte Donovan mit genervt geschlossenen Augen.

“Da steht nur Falsch…”

“Ja, trotzdem.”, beharrte sie. “Falls es keine Fragen mehr gibt, möchte ich die Pressekonferenz hiermit beenden.”

“Was gibt es zu ermitteln, wenn es Selbstmorde waren?”, rief eine junge Journalistin aus der letzten Reihe.

“Zwischen den Vorfällen besteht eindeutig eine Verbindung!” Lestrades Miene war bitter ernst, während er sprach. “Nun.. Die Situation ist außergewöhnlich, aber unsere besten Leute kümmern sich um den Fall-“

Wieder wurde der Raum von dem Klingeln eingehender Nachrichten unterbrochen. Falsch!

“Schon wieder…”

“Eine letzte Frage noch!”, rief Donovan laut, um die entstandene Unruhe zu bekämpfen. Sofort wurden ihr mehrere Fragen entgegen gefeuert, die alle den gleichen Inhalt besagten.

“Wäre es denkbar, dass es sich hierbei um Morde handelt? Und falls ja, ist es das Werk eines Serientäters?”

“Es handelt sich eindeutig um Suizid, nicht um Mord. Wir kennen den Unterschied! Alle drei haben einfach nur die selber Todesart gewählt, wie auch immer diese aussieht..”

“Aber wenn es doch Morde sind.” Eine blonde Journalistin erhob sich zögerlich in der ersten Reihe. “Wie können wir uns dann schützen?”

“Keinen Selbstmord begehen!”, fauchte Lestrade gereizt zurück und Stille kam auf. Donovan räusperte sich leise und murmelte Lestrade zu, dass es sich bei den Journalisten um welche der Tageszeitung handelte, die jeden Tag in ganz London verteilt wurde, also besann sich der ältere Detective Inspektor noch einmal. “Ich kann verstehen, dass sie besorgt sind. Aber es sind keine besonderen Vorkehrungen notwendig. Wir sind alle so sicher, wie wir es sein wollen!”

Falsch!

Lestrade schnaubte, doch direkt nach den Massennachrichten kam noch eine bei ihm persönlich an. Sie wissen, wo sie mich finden. SH

“Die Pressekonferenz ist beendet!”, rief Donovan und verließ mit Lestrade den Raum.

“Wann haben Sie vor, ihm das auszutreiben.”, fragte Donovan, als sie draußen waren, und ihr Tonfall war unverkennbar genervt.

“Wenn Sie mir erklären, wie er das macht, halte ich ihn davon ab. Für’s erste hatte ich gehofft, er wäre mit seinen Vorlesungen beschäftigt…”

“Offensichtlich ja nicht…”

“Ich fühle mich wie ein alter Mann…” Dabei war der Spaziergänger, der gerade ein leises Selbstgespräch mit sich führte, gar nicht so alt. Höchstens neunzehn, mit blonden kurzen Haaren, einer dunkelblauen Jeanshose und einer ebenso dunklen Regenjacke über dem grün-weiß karierten Hemd. John Watson war alles andere als alt. Und trotzdem zwang eine Verletzung am Knie ihn, am Stock zu gehen. Sonst verlor er zu schnell das Gleichgewicht.

Eine bekannte Stimme holte ihn aus seiner Grummlerei zurück in die Realität.

“John?” Irritiert sah der Angesprochene sich um. “John Watson!” Ein junger Mann in seinem Alter, etwas beleibter, sprang von der Bank hinter John auf und lief freudig auf diesen zu. “Ich bin’s, Mike. Wir hatten unser Praktikum im selben Krankenhaus, erinnerst du dich?”

John ging ein Licht auf.

“Ja, tut mir leid. Das Ganze ist ja schon ewig her. Ich hätte dich fast nicht erkannt. Hi Mike.” Sie reichten sich die Hände. Mike grinste etwas verlegen.

“Ich weiß, ich habe etwas zugelegt.”

“Ha ha.”

“Ich hab gehört, du wurdest bei deinem Auslandsjahr in Afghanistan angeschossen. Was ist passiert?” John schwieg eine ganze Weile, bevor er grimmig das Gesicht verzog.

“Ich wurde getroffen.”, antwortete er sarkastisch. Das war ja wohl auch offensichtlich. Was sollte man anderes erklären?

Letzendlich hatten sich beide noch gefangen, sich einen Kaffee geholt und im Park auf eine Bank gesetzt.

“Und du lernst jetzt im Krankenhaus?”, fragte John, nachdem er einen Schluck getrunken hatte. Ihm war der typische Arztkittel, den sein alter Freund trug, aufgefallen.

“Ja. Ich lerne bei einem sehr klugen Kopf, aber er ist genauso anstrengend wie die Lehrer an der Schule damals.” Das entlockte John einen belustigten Lacher. “Bleibst du in London? Du gehst ja wieder zur Uni, oder? Hast doch eine Einladung von University College, wenn ich mich nicht irre?”

“London ist zu teuer für mich…” John seufzte und nahm einen weiteren Schluck seines Kaffees.

“Woanders hältst du’s doch gar nicht aus!”, rief Mike enthusiastisch. “Das wäre nicht der John Watson, den ich kennen gelernt habe! Der jede Chance ergriffen hätte, um sein Ziel zu erreichen.” John wandte abrupt das Gesicht hab. Seine Hand krampfte sich zusammen.

“Der bin ich sowieso nicht mehr.” Ich bin nicht mehr so wie früher, dachte er bitter. Das stimmte. Das Auslandsjahr war ganz anders abgelaufen, als geplant war. Mit mehr Toten als geplant war, und mit einer Verletzung mehr, als John gewollt hatte.

“Kann dir Harry nicht helfen?”, fragte Mike optimistisch.

“Pah!” John schnaubte abfällig. “Das wird niemals passieren!”

“Warum teilst du dir nicht eine Wohnung mit jemandem?” Mike blieb hartnäckig.

“Komm schon!” John sah beinahe entrüstet aus. “Wer will mich als Mitbewohner?!” Mike grinste plötzlich und lachte etwas.

“He-He-He…”

“Was denn?”, fragte John verwundert.

“Du bist schon der Zweite heute, der das zu mir sagt!” Mike kicherte immer noch, während John ihn verblüfft anstarrte.

“..Und wer war der Erste?”

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