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Montagsmörder (10. Teil)

“Wie geht es jetzt weiter, Sherlock?” Johns Mitbewohner murmelte irgendwas Unverständliches. “Was?”, fragte John nach, und der Kopf des Schwarzhaarigen fuhr überrascht hoch.

“Hast du was gesagt?” Eine Weile lang starrte John ihn entgenervt an, dann verdrehte er die Augen.

“War ja klar. Du redest wohl auch nicht mit Jedem!” Sherlock zog eine schuldbewusste Miene.

“Ich hab dir gar nicht zugehört.”

“Das auch…” John seufzte und ging zurück in die Küche, aus der er gerade gekommen war, nachdem er den völlig verbrannten Kaffee weg gekippt hatte.

“Was hast du denn gesagt?”, rief Sherlock, während er von seinem Sessel sprang und John hinterher setzte.

“Wie es jetzt weiter geht!? Was machen wir jetzt? Auf die nächste Leiche warten?”

“Das geht ja schlecht.” Sherlock schüttelte nachdenklich den Kopf, setzte sich an den Tisch, und beobachtete, wie John begann, den Abwasch zu machen. Nach etwa fünf Minuten Stille, in der man nur das Plätschern des Wassers und ab und an leise “Heiß!” Flüche von John gehört hatte, erhob Sherlock wieder die Stimme. “Der Fall dauert mir schon viel zu lange.”

“Was genau ist denn das Problem? Abgesehen von den Leichen, meine ich.” Sherlock musterte Johns Hinterkopf. Versuchte der Kerl ihm gerade wirklich auf die Sprünge zu helfen?

Er lachte etwas. “Ich finde keine Verbindung.”, meinte er dann ernst. “Gäbe es eine Verbindung, dann könnte ich vielleicht einfach erkennen, wie und warum sie umgebracht wurden.”

“Dieser Dariana Wallish hat man doch den Mund zu gehalten, oder?”

“Ja..”

“Also wurde sie vielleicht gezwungen, etwas zu schlucken?”, schlug John vor, doch Sherlock schüttelte den Kopf.

“Es wurde kein Gift in irgendeiner der Leichen gefunden.”

“Aber theoretisch…” John drehte sich um, griff dabei nach dem Handtuch und trocknete sich die Hände ab. Er lehnte sich an die Spüle. “Wir wissen, dass die Opfer bereits Samstag getötet und Montag erst gefunden worden.” Sherlock nickte, um zu zeigen, dass er noch bei der Sache war. “Ich bin ja erst noch im Studium”, fuhr John fort, “Aber es gibt in der Medizin Anästhetika, die bei zu hoher Dosierung giftig, und nach einiger Zeit nicht mehr nachweisbar sind, weil sie den Aggregatszustand wechseln und sich verflüchtigen. Man müsste direkt nach dem Tod Gewebeproben einfrieren, um das später noch nachweisen zu können, aber-“

“Die Leichen wurden erst zwei Tage nach ihrem Tod gefunden!” Sherlocks Augen leuchteten plötzlich begeistert.

“Also hätte sich das Anästhetika bereits verflüchtigt.” John nickte zustimmend und ein kleines, zufriedenes Lächeln huschte über sein Gesicht.

“Ein Arzt als Assistent ist wirklich praktisch!”, entfuhr es Sherlock überrascht. John wurde etwas rot vor Verlegenheit.

“Fast Arzt.”

“Quatsch. Du kriegst mehr auf die Reihe als die Polizei, dabei hast du die Leiche gar nicht vor dir!” Sherlock sprang abrupt auf, wobei die Tassen und Glaskolben auf dem Tisch gegeneinander klirrten, und lief mit großen Schritten ins Wohnzimmer, schnappte sich seinen Laptop und sprang in seinen Sessel. Dann klappte er das Gerät auf. “Anästhetika werden als Schmerz- beziehungsweise Betäubungsmittel verwendet, oder?”

John war ihm gefolgt und setzte sich in den Sessel Sherlock gegenüber. “Ja. Aber nur selten, wegen der Gefahr. Eher bei Krebspatienten oder bei kurzfristigen Operationen noch im Krankenwagen.”

Sherlock sah auf. “Da hätten wir eine mögliche Verbindung!” Seine Finger flogen über die Tastatur. “John, ruf Lestrade an! Ich brauche die Krankenakten der Opfer!”

“Ich hab seine Nummer nicht.”

“Nimm meins.” Sherlocks eine Hand griff in die Jackentasche seines Jacketts uns er reichte John sein Handy. “Der Pin lautet 74375625.”

John tippte schnell mit. “Jeder normale Mensch hat einen vierstelligen Pin!”, murmelte er, während er Sherlocks Anrufliste durch sah, bis er G. Lestrade fand.

“Lässt sich zu einfach knacken.”, kam die schlichte, abwesende Antwort. Sherlock war schon wieder tief in seinen Recherchen, was auch immer er tat.

John wählte also die Nummer. Es klingelte zwei Mal, dann ging jemand ran.

«Detective Inspektor Lestrade hier. Sherlock?»

“Hier ist John.”, meldete der junge Student sich.

«John? Wer? Was machen Sie mit Sherlocks Handy?»

“John, sein Assistent!”

«Ah!» John hörte die Erkenntnis. «Der Assistent.»

“Sherlock sagt, wir brauchen die Krankenakten der Patienten.”

«Wieso das denn?» John warf einen fragenden Blick in Sherlocks Richtung, langsam aber nachdrücklich den Kopf schüttelte. [style type=”italic”]Nicht zu viel sagen.[/style]

“Er ist da an was dran.” Sherlock wedelte wild mit den Händen. “Ehmm… Es ist wichtig, sagt er.” Sein Gehen nickte zufrieden und tippte sich auf eine imaginäre Uhr auf sein Handgelenk. “Er erwartet die Akten in zwanzig Minuten.”

Überraschtes Schweigen vom anderen Ende, und ein genauso verblüffter Blick von Sherlock.

“Beeilen sie sich!” Damit legte John auf. Er und Sherlock starrten sich kurz an, während das Telefon in Johns ausgestreckter Hand zwischen den Beiden hing.

“Das war gut!”, sagte Sherlock dann anerkennend. “Auch wenn du noch mal üben musst, wie man Zeichensprache liest!”

War das ein Scherz gewesen? Sherlock Holmes hatte einen Scherz gemacht?

John grinste leicht. “Ist eben dringend!”

19 Minuten und 58 Sekunden später stand Lestrade schwer atmend mit einem Stapel Ordner im Arm in der Tür zum Wohnzimmer.

“Du Scherzkeks!”, keuchte er und starrte Sherlock empört an. “Wie soll denn innerhalb von zwanzig Minuten alle Familien und Krankenhäuser abklappern und die ganzen Schweigegelübte Dokumente ausfüllen?”

“Sie haben es ja geschafft.” Sherlock nahm ihm mit einem geschäftigen Ausdruck die Mappen ab. “Und waren es wirklich so viele verschiedene Krankenhäuser?”

“Nur zwei.” Lestrade lehnte sich an den Türrahmen und brachte langsam seine Schnappatmung wieder unter Kontrolle.

“Hat sich jemand seltsam verhalten?”

“Seltsam?” Lestrade warf ihm einen verwirrten Blick zu.

“Hat jemand plötzlich panisch die Flucht angetreten?”, fragte John, der gerade erneut aus der Küche kam und dem DI eine Tasse Kaffee reichte, welcher Sie dankbar nahm.

“Nein, wieso?”

“Nur so, sie dürfen gehen.” Sherlock hatte sich schon wieder in seinem Sessel verschanzt, die Dokumente auf dem viel zu kleinen Tisch vor sich ausgebreitet.

“Sie dürfen vorher austrinken!”, bot John an.

“Zu gütig!” Der zynische Ton war kaum zu überhören, doch Lestrade setzte sich einfach auf die Besuchercouch und beobachtete den Privat Detektiv und seinen Assistenten bei der Arbeit, die sich davon überhaupt nicht stören ließen.

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