Tell me a story!

Fanfiction, Prosa und Projekte – made by Carnifex.

Montagsmörder (8.Teil)

John saß auf dem Sofa, die Beine neben sich ausgestreckt, vor dem Fernseher, der gerade die Nachrichten zeigte, während Sherlock am Fenster stand und rauchte.

John hatte nicht einmal gewusst, dass sein Mitbewohner rauchte, aber streng genommen kannte er ihn ja auch erst seit etwa 48 Stunden. Im Grunde störte es ihn auch gar nicht, solange Sherlock am offenen Fenster rauchte und ihn nicht unbedingt mit dem Zigarettenqualm eindeckte.

«Nachdem die Leiche der 38-Jährigen Dariana Wallish gestern Morgen im einem verlassenen Bürogebäude in Brixton, Lauriston Gardens gefunden wurde, hat die Polizei auf den Hinweis eines Jugendlichen Privatdetektivs hin-»

“Consulting Detective”, murmelte Sherlock vom Fenster aus genervt und schnippte die Kippe aus dem Fenster. “Die lernen das auch nicht mehr.”

“Hör zu!”, unterbrach John den morgendlichen Brummer und beobachtete missbilligend, wie die Kippe auf die Straße fiel und Sherlock das Fenster wieder schloss. “Die Polizei hat anscheinend eingesehen, dass es Morde waren.”

Sherlock ließ sich neben John auf das Sofa fallen, wobei er sich fast auf dessen Beine gesetzt hätte, wenn dieser sie nicht rechtzeitig weg gezogen hätte.

«Jetzt wird in ganz London und umliegenden Städten nach dem unbekannten Montagsmörder gesucht-» Sherlock unterbrach die Frau in den Nachrichten, in dem er den Fernseher ausschaltete.

“Hey!”, protestierte John. “Das hat mich interessiert!”

“Lies Zeitung!” Sherlock schwang die Beine auf die Sitzfläche und von dort aus über die Lehne, so dass seine Beine jetzt senkrecht zur Decke zeigten, sein Oberkörper auf der Sitzfläche lag und der Kopf hinunter hing. “Das nervt mich nicht so!” Damit griff er auf einen Stapel links von sich und warf den obersten Papierbündel, die Zeitung von heute, die heute Morgen vor der Tür gelegen hatte, in Johns Richtung, allerdings fiel sie auf halben Weg auseinander und verteilte sich auf dem Sofa, auf dem Boden und auf Sherlock.

Einen kurzen Moment blieb John mit entgenervter Miene sitzen, dann, als Sherlock selbst keine Anstalten machte, stand er auf und begann, die verschiedenen Seiten der Zeitung aufzusammeln.

“Hat es einen Grund, dass du so komisch sitzt?”, fragte er und musterte Sherlock, dessen Gesicht bereits eine leicht rötliche Färbung angenommen hatte.

“Ich kann so besser denken.” Mehr erklärte Sherlock nicht, und er starrte stur weiter zur Decke, während John die letzte Seite auf hob und sich wieder auf das Sofa setzte. Dann schlug er die Seite mit der Schlagzeile auf.

“Hier steht, dass der Montagsmörder an der ‘armen’ Dariana Wallish erneut zugeschlagen hat.”, zitierte John und verdrehte aufgrund der Mitleid erregenden Phrasen die Augen. “Ein interessanter Name.”

“Das ist falsch.” Sherlock starrte schmollend an die Decke.

“Was ist falsch?”, fragte John überrascht.

“Montagsmörder. Genauer gesagt müsste es Samstagsmörder heißen, schließlich werden die Opfer Samstags getötet und Montags bei Arbeitsbeginn erst gefunden.” John zuckte mit den Schultern.

“In einer Zeitung bieten sich Alliterationen eben an.”

“Alliterawas?”

“Alliteration. Wenn mehrere Wörter in einem Satz oder zusammen gesetzte Wörter mit dem gleichen Buchstaben beginnen. Das müsstest du doch wissen.”

“Ich bin Consulting Detective, kein Schriftsteller.”, murrte Sherlock abfällig und setzte sich auf, wobei er wieder die Beine herum drehte, John fast damit erschlug, und schließlich wieder richtig saß, bevor er doch aufstand. “Du solltest aufhören, Zeitung zu lesen.”, meinte er auf seinem Weg in die Küche.

“Eben meintest du noch, ich soll Zeitung lesen.”, erwiderte John verwirrt, klappte die Zeitung zu und folgte seinem Mitbewohner.

“Besser als Fernsehen, aber genauso hirnrissig!” Er schüttelte den Kopf und füllte sich aus der Kaffeekanne etwas der schwarzen Flüssigkeit in einen Erlen-Meyer-Kolben. Als er bemerkte, was er gerade als Trinkbecher in Einsatz nahm, musterte er den Kolben kurz mit interessierter Miene, zuckte dann mit den Schultern, nahm einem Schluck und ging wieder zurück ins Wohnzimmer.

“Wie soll ich denn dann deiner Meinung nach auf dem Laufenden bleiben?!”, fragte John gereizt, nahm sich einen richtigen Kaffebecher aus dem Schrank, genug gab es hier nämlich wirklich, und nahm sich ebenfalls Kaffee.

“Aufmerksamer werden!” Sherlock ließ sich auf seinen Sessel fallen. Streng genommen war es nicht seiner, er hatte ihn nur direkt bei seiner Ankunft und ihrem Einzug kurz danach für sich beansprucht.

“Ha ha..” John nahm auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer ebenfalls einen Schluck von dem Kaffee, spuckte ihn allerdings sofort mehr oder weniger unauffällig zurück in die Tasse. “Was ist das?”, fragte er, angeekelt von dem pelzig, kratzigen Gefühl und dem verbrannten Geschmack auf seiner Zunge, und er musterte die dunkle Flüssigkeit, in der er jetzt definitiv Krümel und Bröckchen schwimmen sehen konnte.

“Was ist was?” Als Sherlock keine Antwort erhielt, sah er in Johns Richtung. “Oh, das ist natürlich Kaffee.” Der finstere Blick entging ihm dabei völlig.

“Natürlich… Wer hat den gemacht?”, fragte John, während er zurück in die Küche ging, den Inhalt seiner Tasse in den Abfluss goss, und den der Kaffeekanne gleich dazu.

“Na ich natürlich!”, antwortete Sherlock verblüfft. John war zu abgelenkt, um ein rotes Kreuz in den Kalender zu setzen.

Sherlock Holmes aus dem Konzept gebracht.

“Natürlich…” John wollte sich am Liebsten mit einem Messer die Zunge abschaben, um den widerlichen Geschmack los zu werden. “Nun, ab heute koche ICH den Kaffee!” Er setzte sofort neuen Kaffee auf, indem er die Bohnen mahlte, das Kaffeepulver in den Filter gab und in den Tank oben Wasser hinein füllte, und während der Kaffee langsam in die Kanne auf der heißen Platte tropfte, ging John zurück ins Wohnzimmer und überging den absolut ratlosen Blick seines Mitbewohners komplett und gekonnt. Bis dieser sich endlich geschlagen gab.

“Na guuut.” Sherlock zuckte mit den Schultern. “Wenn du unbedingt willst. Ist ja nicht so, als würde ich mich darum reißen. Wenn du möchtest, kannst du gerne auch noch den Müll erledigen.” Jetzt erschien eindeutig ein schalkhaftes Grinsen auf seinen schmalen Lippen, das seinem Gesicht ein raubvogelhaftes Aussehen verlieh, doch John erwiderte es nicht.

“Ich helfe dir bei der Miete, ich bin nicht deine Hausfrau und auch nicht dein Kindermädchen!” Er warf einen Blick auf die Uhr. “Außerdem muss ich jetzt zur Uni.” Damit stand er auf, schnappte seine Tasche, die bereits neben der Tür stand und warf sich seine Jacke über.

“Warte!” Mit einem Mal war auch Sherlock auf den Füßen. “Was für Vorlesungen hast du heute?” John runzelte die Stirn.

“Neurologie und Psychosomatik.”

Sherlocks Lippen zuckten erneut. “Passt ja.” Mit einer kurzen Bewegung schnappte er sich seinen Mantel und die darunter liegende Krawatte, zog den Mantel über und legte die Krawatte einfach offen um seinen Hals. “Ich komme mit.”

“Wieso das denn?”, murmelte John, als sie beide die Treppe runter gingen.

“Na, nur so. Könnte doch interessant werden.” Sein Blick allerdings verriet, dass da mehr dahinter steckte. Aber wenn er es nicht sagen wollte…

John zuckte mit den Schultern. Nicht sein Bier!

An der Straße stand bereits das Taxi, dass John vor einer Stunde bestellt hatte, und die beiden stiegen ein.

“University College London bitte”, sagte er zum Taxifahrer, der sofort los fuhr. Die beiden Studenten lehnten sich zurück.

John sah aus dem Fenster und ließ seinen Gedanken vor den Vorlesungen noch einmal schweifen, Sherlock neben ihm tipperte schon wieder eifrig auf seinem BlackBerry herum. Es war abgesehen von dem leisen Radio und dem Rauschen der Straße völlig still im Auto, bis Sherlock plötzlich entsetzt aufkeuchte und John ihn alarmiert ansah.

“Wer nimmt denn jetzt den Kaffee von der Platte?”

Leave a Reply