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Montagsmörder (9.Teil)

Als John aus dem Vorlesungssaal trat, sah er sich sofort suchend um.

Sherlock hatte mitten in der Vorlesung plötzlich den Raum verlassen, ziemlich überstürzt und hektisch, mit einem überlegenen Grinsen im Gesicht. Der Professor hatte darauf gar nicht reagiert, genauso wenig die anderen Studenten, wahrscheinlich kannten bereits alle dieses Verhalten vom selbsternannten Detektiv.

Jetzt hatte John automatisch den Weg zum alten Kostümkeller gewählt, als er über der Brüstung unten im Foyer Sherlock erspähte, mitten in einer angeregten Unterhaltung mit einem beinahe kahlköpfigen, älteren Mann um die fünfzig.

In dem Moment, in dem John Sherlock entdeckte, drehte dieser wiederum sich zu ihm und entdeckte ihn ebenso. Sein darauf folgendes wildes Winken, bei dem er dem Mann hinter sich fast die Brille vom Gesicht schlug, deutete John unmissverständlich an, dass er zu ihm kommen sollte.

Also lief er im Eiltempo die Treppen nach unten. Als er bei Sherlock ankam, war er nur minimal aus der Puste.

“John!”, begrüßte Sherlock ihn freudig. “John, das ist Professor Moriarty! Er hat mir bei meiner Webseite geholfen. Professor?” Er wandte sich an den Älteren. “Das ist John Watson, mein neuer Mitbewohner und Assistent.”

“John.. Watson.”, wiederholte der Professor. Die langsame, schnarrende Stimme verursachte eine Gänsehaut auf Johns Rücken und in seinem Nacken. “Schön, Sie kennenzulernen.” Sie reichten sich die Hände.

“Freut mich ebenfalls, Professor- wie nochmal?”

“Moriarty.” Der Ältere lächelte ganz leicht.

“Professor Moriarty.” John fühlte sich, als wäre sein eigenes Lächeln in seine Wangen einzementiert. Sherlock grinste immer noch wie ein Honigkuchenpferd, als John langsam, ihm kam es unheimlich langsam vor, seine Hand von der des Professors löste.

“Ich habe mit dem Professor über den Fall gesprochen!”, erklärte Sherlock und warf dem Mann eine freudiges Grinsen zu.

“Aha.” John konnte keine so rechte Begeisterung aufbringen.

“Allerdings habe ich leider auch keine Idee, wer dahinter stecken könnte.”, ergänzte Moriarty mit seiner schnarrenden Stimme leise. Sherlock zuckte mit den Schultern.

“Niemand ist allwissend.”, gab er an, was John überrascht die Augenbraue hoch ziehen konnte. Das ungläubige “Nicht?” konnte er sich gerade noch so verkneifen.

“Kommst du dann, Sherlock? Wir müssen noch.. einkaufen.” Das war eine ziemlich lahme Idee, Sherlock von Moriarty weg zu bekommen. Und zu seinem Unglück sprang der Größere auch nicht wirklich darauf an.

“Ist der Kühlschrank leer?”, fragte er überrascht. John nickte unmissverständlich und überdeutlich. “Kannst du nicht alleine einkaufen gehen?”, folgte sofort die Frage. Mit dem Blick, den John Sherlock zuwarf, hätte man sicher töten können, Sherlock hingegen merkte das gar nicht.

“Nein, kann ich nicht”, wollte John erwidern, doch Professor Moriarty half ihm anderweitig.

“Ich muss jetzt sowieso los. Ich hab noch einen Termin, Sherlock. Gehen Sie ruhig mit Ihrem Freund mit!”

Enttäuschung erschien auf Sherlocks Gesicht, doch er riss sich zusammen. “Na gut”, meinte er. “Gehen wir eben einkaufen. Auch wenn ich überrascht bin, dass du das nicht alleine schaffst.”

Den ganzen Weg bis zum Ausgangsportal der Uni grummelte Sherlock halb laut vor sich hin, John hingegen spürte ununterbrochen Moriartys Blick in seinem Nacken, bis sie die Einrichtung verlassen hatten.

“Das war jetzt nicht so viel.”, kommentierte Sherlock trocken, als sie den Laden verließen, mit einer einzigen Tüte.

“Tja, besser so, als irgendwann mal Nichts zu haben.”, erwiderte John darauf säuerlich. “Außerdem wundert es mich ohnehin, dass du noch was mit bekommst, wo du doch die ganze Zeit auf dein Handy starrst.” Kaum ausgesprochen musste der Medizinstudent seinen Mitbewohner auch schon am Ärmel packen und ihn zurück auf den Bürgersteig ziehen, weil dieser gerade ohne zu gucken über die Straße rennen wollte, was wenig glimpflich geendet hätte. Der Autofahrer zeigte John und Sherlock wetternd den Finger, bevor er weiter fuhr.

“Ich bin eben beschäftigt.”, murmelte Sherlock abwesend und ließ sich von John über die Straße zu einem parkenden Taxi führen.

“Mit wem? Deiner Geliebten?” John öffnete gereizt die hintere Tür und stieg ein, dann sagte er dem Taxifahrer die Adresse. “Baker Street, bitte. 221B.”

“Steigt Ihr Freund auch ein?”, kam die Rückfrage, ohne dass der Fahrer sich umdrehte, während er schon den Motor startete. John sah zurück auf den Bürgersteig, von wo aus Sherlock seinen Blick mit befremdlichen Ausdruck erwiderte.

“Kommst du?” Erst nach Zögern folgte der Schwarzhaarige der Frage, stieg ein und zog die Tür zu, bevor er sich anschnallte. Das Auto fuhr sofort los.

“John…”, begann Sherlock dann nach einer Weile, in der er den Anderen einfach nur irritiert gemustert hatte, und John sich schon gefragt hatte, was für den Systemabsturz gesorgt hatte. “Du musst wissen… Ich bin mit meiner Arbeit verheiratet.”

John, der etwas völlig anderes erwartet hatte, auch wenn er nicht genau sagen konnte was, blinzelte verwirrt. “Was?”

“Naja… Meine Geliebte. Du klangst.. etwas eifersüchtig, als du das sagtest.” So vorsichtig, wie Sherlock das ausdrückte, hätte John beinahe gelacht, nur dass die Situation absolut nicht komisch war. Stattdessen zog er ungläubig eine Augenbraue hoch.

“Das war ein Spaß. Und eifersüchtig bin ich wenn überhaupt auf dein Handy, dem du mehr Aufmerksamkeit widmest als deinem, den ganzen Einkauf alleine schleppenden Mitbewohner.”

Sherlocks Blick huschte zu der Tüte zwischen den Beiden. “Das ist aber jetzt wirklich nicht viel.”

“Es geht um’s Prinzip!” John lehnte sich demonstrativ zurück und sah aus der Windschutzscheibe.

“Ein Prinzip, wenn du darauf bestehst, dass wir eine Tüte zu zweit tragen?” Der ehrlich ratlose Blick auf Sherlocks Gesicht ließ John seufzen.

“Vergiss es.”

“Wie willst du mit zwei Leuten eine Tüte tragen, die einen Lauch, etwas Brot und Aufschnitt, dazu noch etwas Gemüse enthält? Die Tüte würde eher reißen, weil ich gut zwanzig Zentimeter größer bin als du, das Gewicht damit also mehr auf deiner Tütenschlaufe wäre, weil meine höher gehalten wird, wir außerdem ungleichmäßig daran ziehen würden, weil wir selten die gleiche Schrittgeschwindigkeit sowie Länge haben und-“

“Ich sagte: Vergiss es!” John ignorierte das Kichern des Taxifahrers demonstrativ.

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